Universitätsbibliothek Braunschweig
Wie schafft man Übersicht im WWW? Wie erleichtert man den Zugang für Nutzer, denen das Ziel wichtiger ist als der Weg, die also keinen Surfschein machen wollen, um zu Inhalten kommen zu können? Wie macht man aber zugleich den Nutzern bewußt, daß das Web nicht "alles" enthält, sondern daß es da auch noch die Bibliothek gibt, und daß das neue Medium diese sinnvoll ergänzt?
Mit Sammlungen von Bookmarks (Microsoft:
"Favorites") kann jeder sich leicht seine persönliche Übersicht
der wichtigsten Web-Adressen anlegen. Solche Übersichten sind immer
von individuellen Interessen geprägt und sind nicht leicht für
eine größere Zahl von Personen nutzbar zu machen. Viele Web-Master
haben daher mittlerweile für ihren Bereich umfangreichere Sammlungen
von Links auf unterschiedlichste Weise aufbereitet. In einfachen Fällen
sind das geordnete Listen (Sammlungen von
Links) in denen man blättern kann. Das andere Extrem sind Suchmaschinen,
die mit einem Softwaresystem wie "Harvest" angelegt werden und dann eine
Stichwortsuche gestatten.
Die erste Methode (geordnete Listen) verursacht
hohen Aufwand für Aufbau und Pflege und begrenzt von daher das erreichbare
Resultat, die zweite (Suchmaschine) läuft großteils automatisch,
erfordert aber einiges Know-how und hohe Maschinenleistung, liefert am
Ende jedoch keine präzisen Resultate. Und zwar nimmt die Präzision
mit wachsender Datenmenge bekanntlich eher ab, d.h. man wird mit Ergebnissen
überschüttet, die aber in fragwürdiger Ordnung und Gewichtung
präsentiert werden, wobei keine Gewähr besteht, daß die
besten Adressen überhaupt dabei sind. Auch das Metadaten-Konzept wird
hier vorerst nur in fachlich begrenzten Anwendungen Abhilfe schaffen.
Eine große Bibliothek hat im Grunde schon immer dasselbe Problem gehabt: welche Hilfen kann man der Benutzerschaft geben, sich im riesigen Angebot allein der Druckwerke zurechtzufinden? Ein RAK-Grundkurs ist nicht die Antwort - noch viel weniger als für's Web der Surfkurs. Und auch der beste Katalog löst noch lange nicht jede Frage, ob mit oder ohne Vorkenntnisse. Kein Katalog erklärt z.B. die Struktur der Freihandaufstellung oder zeigt die Wege zu Zeitschriften, Enzyklopädien, Referateblättern. Und was das überhaupt alles ist, wofür es gut ist und wofür nicht, gehört leider auch nicht zur Allgemeinbildung.
Das konventionelle und das elektronische Medienangebot sind heute zwar hier und da konkurrierende Alternativen, grundsätzlich ergänzen sie sich aber gegenseitig. Schon allein weil rein zahlenmäßig die Masse des Gedruckten noch immer größer ist als die aller anderen Medien, wobei das meiste davon noch nicht online erreichbar ist, und noch immer ist ja der Papierausstoß nicht im Rückgang begriffen.
Für die UB Braunschweig verschärften
sich beide Probleme gleichzeitig, weil ein 1997 eröffneter Erweiterungsbau
es möglich machte, ein viel größeres Angebot als vorher
frei zugänglich aufzustellen. Zu gleicher Zeit wurden immer mehr PCs
bereitgestellt. Neben ca. 45 Geräten für die OPAC- und CD-ROM-Nutzung
gibt es zusätzlich 16 PCs mit Internet-Zugang, und das Datenangebot
ist natürlich rund um die Uhr auch von außen zugänglich.
Das konventionelle Leitsystem mußte also um ein elektronisches ergänzt
werden, und dieses Leitsystem sollte nun die besagte gegenseitige Ergänzung
der Medienangebote erkennbar machen. Deshalb wurde der Catalog
of Object Links, kurz CoOL,
erfunden.
Er weist Wege zu Objekten aller Art und
stellt sie in sachliche Zusammenhänge, und zu den Internet-Objekten
stellt er auf die übliche Art die Hyperlink-Verbindung her - natürlich
auch zum OPAC. Der OPAC wird sinnvoll ergänzt um weitere Angebote:
fachbezogene und angemessen gestaltete Listen von Lehrbüchern, Neuerwerbungen,
laufenden Zeitschriften und Sonderbeständen.
Außerdem geben einige Hilfsseiten
diverse Auskünfte und Einblicke in Hintergründe. Dafür wurde
ein eigenes Fragezeichen-Symbol fabriziert: (Klicken Sie
drauf, dann kommt eine Hilfsseite)
Vom Ansatz her ähnlich, aber mit sehr viel umfangreicheren, z.T. von Fachreferenten erstellten Ressourcenbeschreibungen (gleichfalls für E-Dokumente und Bücher), arbeitet das SSG-FI-System der SUB Göttingen, jedoch beschränkt auf die dortigen Sondersammelgebiete Geowissenschaften, Mathematik und Anglistik/Amerikanistik. Im Zentrum steht auch dabei eine allegro-Datenbank.
Um eine Vorstellung von der Datenbank zu
vermitteln, zeigen wir mehrere Ausschnitte aus den alphabetischen Registern,
in denen man suchen und blättern kann.
Dank der programmierbaren Indexierung konnten
u.a. folgende Register definiert werden:
und sehen hier z.B. sofort, daß wir
24 Links zur Uni Düsseldorf haben. Mit einem Tastendruck können
wir diese als Ergebnismenge nehmen und dann exportieren oder Änderungsaktionen
darin durchführen. Die Vorteile liegen auf der Hand.
Als weiteres Beispiel folgt ein Ausschnitt
aus dem URL-Wortregister. Darin sind alle Bestandteile der URLs zu finden,
d.h. die durch . / : getrennten Teile. Hier der
Abschnitt, der mit mus
beginnt:
...
1 mus
10 muse
1 museen
1 muserve
3 museum
1 museums
18==>music
1 music-and-computers
1 music_resources
1 musica
1 musicalact
1 musicj
1 musicmanual
1 musicnew
1 musicus
1 musicworld
1 musicyellowpages
1 musik
1 musikhochschule
1 musikspezial
Wenn man also z.B. von einer URL nur noch weiß, daß darin music vorkommt, kann man sie hier finden. Bzw. man findet leicht alle, in denen music vorkommt, und man sieht die Wortkombinationen, die sonst noch vorkommen. Man setzt den Zeiger auf music und schaltet auf Expansion, dann sieht man das Folgende (die Titel der Seiten und die URLs):
music
Guide to Composer Data &
Works Lists /www.classical.net
Worldwide Internet Music Resources
/www.music.indiana.edu
==>Doctoral Dissertations in Musicology-Onlin
/www.music.indiana.edu
Bach Bibliography
/www.music.qub.ac.uk
Online Music Scholarship Resources
/www.iat.unc.edu
CMS Newsletter
/www.music.org
Theoria
/www.music.unt.edu
Music & Sound
/music.de.msn.com
Music for the Love of It
/www.holonet.net
Current Musicology
/roar.music.columbia.edu
CTI Music: Newsletter
/www.lancs.ac.uk
Indiana Theory Review
/www.music.indiana.edu
CTI Music: Musicus
/www.lancs.ac.uk
Critical Musicology Journal
/www.leeds.ac.uk
IMpulse Music Journal
/www.leo.org
Unit Circle Music Issues
/www.etext.org:80
Society for Music Theory Newsletter
/boethius.music.ucsb.edu
Composers
/www.music.indiana.edu
music-and-computers
...
Diese Kurzanzeige ist programmierbar, könnte
also neben Titel/URL auch anderes enthalten.
Wählt man die dritte Zeile an und drückt
Enter, erscheint der Datensatz des Objekts:
| http://www.music.indiana.edu/ddm/
Doctoral Dissertations in Musicology-Online "an index to dissertations-in-progress
and a bibliography of completed
Rubriken:
|
Jetzt braucht man nur TAB zu drücken,
um den Satz in einer Maske bearbeiten zu können.
Das Auffinden und Bearbeiten einer Objektbeschreibung
geht also denkbar einfach und schnell. Von HTML sieht man bei der ganzen
Arbeit in der Datenbank nichts, es sei denn, man fügt in eine Objektbeschreibung
noch Tags ein, das ist natürlich auch möglich.
Wenn Sie den gezeigten Datensatz im Zusammenhang
der Fachliste "Musik" sehen möchten, klicken Sie jetzt hier.
Die Fachliste kommt, wie gesagt, durch Export aus der Datenbank zustande.
Vorbereitet wird zusätzlich ein noch
komfortableres Erfassungs- und Bearbeitungssystem, das direkt aus dem Browser
heraus das Einfügen von neuen Objektbeschreibungen in die Datenbank
und deren Bearbeitung ermöglicht. Ferner besitzt allegro eine
WWW-Schnittstelle,
mit deren Hilfe dann auch die Datenbank selbst zugänglich gemacht
werden kann. Man wird dann per Web in den beschriebenen Registern blättern
können. Vorerst können die Fachreferenten schon produktiv tätig
werden.
Es gibt die Möglichkeit, sich einen
Teil der CoOL-Datenbank herunterzuladen. Dazu braucht man den Datenbank-Browser
alcarta,
der auch zugleich der neue Windows-OPAC des allegro-Systems ist.
Klicken Sie jetzt unten auf das CoOL-Logo, dann kommt die Leitseite der Frames-Variante.