[Ansicht UB Braunschweig]
WWW-basierte Benutzeranmeldung für das PICA-System

Universitätsbibliothek Braunschweig
Martin Butkus - E-Mail Erweiterung: Carsten Elsner

Einführung

Die Bibliotheks-Software PICA [1] wird  im Bibliotheksverbund GBV [2] unter anderem für die Verwaltung der Nutzerkonten eingesetzt. In der aktuellen Version verfügt dieses Programm jedoch von Haus aus nicht über die Möglichkeit einer Benutzeranmeldung über ein Web-Interface.

In der Regel sind im Benutzerbereich einer Bibliothek, die PICA einsetzt, bereits mehrere PCs vorhanden, die für die Recherche im Online-Katalog eingesetzt werden. Diese könnten ohne weiteren Mehraufwand als Eingabe-Terminals für eine Online-Anmeldung mitgenutzt werden. Die Dateneingabe erfolgt dann durch den Benutzer unmittelbar in elektronischer Form. Zusätzlich kann auch eine Anmeldung über das Internet leicht realisiert werden. Eine derartige elektronische Anmeldung bietet etwa gegenüber dem Einsatz von Papierformularen insbesondere die folgenden Vorteile:
Im Zuge einer Modernisierung der Geschäftsgänge wurde an der Universitätsbibliothek Braunschweig ein Modul entwickelt, das eine solche Online-Anmeldung realisiert. Das Modul basiert gänzlich auf "Open Source"-Software [3], die frei von Lizenzkosten  und entsprechend preiswert in der Beschaffung ist.  Es handelt sich um ein sogenanntes "LAMP"-System, da es auf dem Betriebssystem Linux, dem Webserver Apache [4], der Datenbank MySQL [5] sowie - im Wesentlichen - auf der Skriptsprache PHP  [6] basiert. (Einige wenige Programmteile sind in Perl geschrieben.)

Trotz der Konzeption als "LAMP"-System ist das Anmeldungs-Modul auch auf diversen anderen Betriebssystemen (z.B. Windows, Mac OS X, Solaris) und mit anderen Webservern (z.B. Xitami, IIS, u.ä.) lauffähig.

Das System ist seit März 2004 an der UB Braunschweig im Produktivbetrieb, und hat die bisherige Anmeldung per Papierformular vollständig ersetzt. Es wurde von den Benutzern und Mitarbeitern in kürzester Zeit angenommen und läuft seit seiner Einführung störungsfrei.
Seit August 2008 ist an der UB Braunschweig die Weiterentwicklung der Online-Anmeldung im Produktivbetrieb.

Neu: Oktober 2008: kleinere Bugfixes und Funktionserweiterungen (vielen Dank an Herrn Nölte, SUUB Bremen) -> Version 2.01.

Neu: seit Oktober 2008 setzt auch die SUUB Bremen dieses Verfahren ein.

Neu: August 2008: Online-Anmeldung 2.0 mit E-Mail-Benachrichtigung. 

Neu: seit Oktober 2005 setzt auch die TIB/UB Hannover dieses Verfahren ein. Kontakt: Frau Kreter <helga.kreter@tib.uni-hannover.de>

Highlights

Alternativen

Ablauf einer Online-Anmeldung

Dateneingabe

Der Benutzer gibt seine Daten an einem Eingabe-Terminal (Katalog-PC) oder über das Internet ein. Das Formular besteht aus mehreren Seiten; ein Vor- und Zurückblättern ist möglich. Es ist mit einer Plausibilitätskontrolle versehen: Dateneingaben werden bei der Eingabe anhand von Textmustern überprüft; ungültige Eingaben werden zurückgewiesen, und der Benutzer über die Art des Fehlers informiert.
Neu ist die Möglichkeit der Angabe einer E-Mail-Adresse und der damit verbundenen Anmeldung zur Benachrichtigung per E-Mail. Die E-Mail Felder werden mit der Anwahl der Checkbox aktiviert.
Das Formular ist standardmäßig in deutsch gehalten. Weitere Sprachen lassen sich leicht nachrüsten.




Nach der Eingabe werden die Daten nochmals in Tabellenform zusammengefaßt dargestellt, und der Benutzer erhält eine letzte Möglichkeit zur Korrektur des Datensatzes.

Zwischenspeicherung in einer Datenbank (MySQL)

Wenn der Benutzer den Datensatz absendet, wird dieser in einer MySQL-Datenbank zwischengespeichert. Diese Datenbank ist unabhängig vom PICA-System; sie dient allein der Speicherung der neu erfaßten Anmeldungen.  Der Benutzer wird aufgefordert, sich bei der Leihtheke zu melden, um seinen Benutzungsausweis zu erhalten.

Durch die Verwendung einer separaten Datenbank - statt einer unmittelbaren Übernahme in die PICA-Datenbank -  wird gewährleistet, daß sich tatsächlich nur korrekte Daten von aktiven Benutzer in der PICA-Datenbank befinden, da vor der Übernahme die Personalien des Benutzers überprüft werden (siehe unten).

Ein zweiter Aspekt ist die erhöhte Systemsicherheit. Da das öffentlich zugängliche "Anmelde"-PHP-Skript nur Zugriff auf die MySQL-Datenbank, jedoch nicht auf die PICA-Datenbank hat,  sind die dort befindlichen Daten bei einem Hacker-Angriff auf das Skript nicht gefährdet.

Verifikation und Übernahme in die PICA-Datenbank

Der Benutzer will nun seinen Benutzungsausweis abholen. Der Bibliotheksangestellte verfügt über eine paßwortgeschützte  "Administrator"-Weboberfläche, über die er den Datensatz des Benutzers aufruft.



Der Mitarbeiter überprüft die Personalien,  korrigiert falls nötig den Datensatz,  liest den Barcode des neuen Nutzerausweises ein, und initiiert anschließend den Transfer des Datensatzes in das PICA-System. Dieser Datentransfer ist innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen.

Ausdruck des Anmeldeformulars

Aus rechtlichen Gründen muß jeder Benutzer der UB Braunschweig die Benutzungsordnung schriftlich anerkennen. Daher wurde eine Funktion implementiert, die den Ausdruck eines ausgefüllten, unterschriftsfertigen Formulars erlaubt. Hierbei wird berücksichtigt, ob der Nutzer eine Benachrichtigung per E-Mail wünscht oder nicht. Der entsprechende Passus wird gegebenenfalls ausgeblendet. Das Formular wird nach dem Datentransfer automatisch aufgerufen; es können jedoch noch weitere Ausdrucke gefertigt werden. Der Text des Formulars läßt sich frei anpassen.

Nachdem der Benutzer das Formular unterschrieben hat, erhält er seinen Nutzerausweis. Der Bibliotheksangestellte löscht nun den Datensatz in der MySQL-Datenbank. Der Anmeldevorgang ist damit abgeschlossen.

Technische Details zum PICA-Export

Vor Beginn des Datentransfers wird zunächst per SQL-Abfrage überprüft, ob der betreffende Benutzer bereits in der PICA-Datenbank vorhanden ist.  Als Suchschlüssel dienen der Nachname und das Geburtsdatum des Benutzers. Falls passende Datensätze gefunden werden, erscheint eine Warnmeldung. Der Bibliotheksmitarbeiter kann die Übernahme dann abbrechen, oder sie trotzdem fortsetzen.

Der eigentliche Datentransfer erfolgt mittels des Hilfsprogramms ousp_upd_borrower [7], das Bestandteil von PICA ist und den automatisierten Datenimport aus Fremdquellen realisiert. Dieses  Programm funktioniert jedoch nur korrekt, wenn es auf dem LBS-Datenbankserver unter der Benutzer-ID lbs_prod läuft.

Aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich generell, Webserver und PICA-Datenbankserver auf separaten Rechnern zu betreiben. Da die Administrator-Oberfläche auf dem Webserver läuft, muß es einen Mechanismus geben, der die Export-Datei auf den Datenbankserver kopiert, und anschließend das o.g. Hilfsprogramm aufruft. Dieser wird durch ein externes Programm realisiert, und ist frei konfigurierbar.

Wir haben dieses Problem mit Hilfe einer Client-Server-Lösung gelöst: Fehlermeldungen von ousp_upd_borrower werden - ebenso wie Netzwerk- und sonstige Fehler -  erkannt, und resultieren in einer Warnmeldung an den Benutzer.

Probleme und Einschränkungen

Download und weiterführende Informationen

Die UB Braunschweig gibt dieses System kostenfrei an interessierte Bibliotheken zur eigenen Nutzung weiter. Eine kommerzielle Nutzung ist dagegen nicht zulässig. Die Nutzung der Software geschieht auf eigene Gefahr; eine Haftung für Datenverluste u.ä. ist ausgeschlossen. Die Urheberrechte an der Original-Software verbleiben bei der Universitätsbibliothek Braunschweig.

Wenn Sie das System produktiv einsetzen, möchten wir Sie interessehalber um eine kurze Mitteilung per Mail bitten.

Ansprechpartner: Carsten Elsner <el@biblio.tu-bs.de> und Matthias Evers <me@biblio.tu-bs.de>

Literatur

[1] OCLC PICA. http://www.oclcpica.org
[2] Homepage des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV). http://www.gbv.de
[3] The Open Source Initiative (OSI). http://www.opensource.org
[4] The Apache Web Server Project. http://httpd.apache.org
[5] MySQL Homepage. http://www.mysql.com
[6] PHP: Hypertext Preprocessor. http://www.php.net
[7] PICA-LBS-3-Ausleihsystem (OUS): OUS_F. Anleitung zur Systemverwaltung. Gemeinsamer Bibliotheksverbund (GBV), Januar 2001.


Letzte Änderung: 28.08.2008