TU BRAUNSCHWEIG
Symbolfoto


Fritz Bauer

 

 


 

Die Ausstellung ist vom
21. Juni bis 29. September 2012
während der allgemeinen Öffnungszeiten der Bibliothek zu  besichtigen

 

 

 

 



Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903 - 1968) und die Aufarbeitung von NS-Verbrechen

Der Name Fritz Bauer (1903–1968) ist aufs engste verknüpft mit der strafrechtlichen Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen in der frühen Bundesrepublik. Als Generalstaatsanwalt in Braunschweig (1950–1956) und Hessischer Generalstaatsanwalt (1956–1968) zog er bedeutende Verfahren gegen NS-Täter und Stützen des NS-Systems an sich; insbesondere der große Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965) ging auf seine Initiative zurück. Bei der Ergreifung des Hauptorganisators der Deportation der europäischen Juden, Adolf Eichmann, spielte er im Hintergrund eine entscheidende Rolle.

1903 als Nachkomme einer deutsch-jüdischen Familie in Stuttgart geboren, studierte Fritz Bauer in Heidelberg, München und Tübingen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, wurde 1927 promoviert und 1930 zum Richter am Amtsgericht Stuttgart ernannt. Bauers Rechtsbegriff bildete sich stark am humanitären Denken aus. Er engagierte sich als SPD-Mitglied und im republikfreundlichen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Prägenden Einfluss hatte für ihn die Verbindung mit Kurt Schumacher.

Im April 1933 wurde Fritz Bauer von den Nationalsozialisten aus dem Staatsdienst entlassen und daraufhin wegen seines politischen Engagements für mehrere Monate inhaftiert. Er emigrierte 1936 nach Dänemark und 1943 weiter nach Schweden. Bauer engagierte sich in Exilgruppen und bekam dabei u.a. auch Kontakt zu Willy Brandt. 1944 publizierte er auf Schwedisch sein Buch Die Kriegsverbrecher vor Gericht (dt. 1945).

Erst 1949 kehrte Fritz Bauer nach Deutschland zurück. Auf Vermittlung Kurt Schumachers erhielt er zunächst den Posten des Landgerichtsdirektors in Braunschweig, bevor er dort 1950 Generalstaatsanwalt wurde. 1956 wurde er zum Hessischen Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main ernannt.

Die von Fritz Bauer initiierten Prozesse – der Braunschweiger Remer-Prozess (1952) um die Rehabilitierung der als Landesverräter geschmähten Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944, die beginnenden Ermittlungen zu den Euthanasie-Morden (1959) sowie der Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965) – waren wesentliche Etappen der anfänglichen Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Sie machten auch einer breiten Öffentlichkeit u.a. den NS-Staat als Unrechtsstaat begreifbar und ließen die nationalsozialistischen Verbrechen als große Verbrechenskomplexe erkennen, die nur unter umfassender Beteiligung möglich waren.

Bei seinen Ermittlungen stieß Fritz Bauer auf etliche Widerstände. Allgemein begünstigte das gesellschaftliche Klima der Zeit eine eher milde Haltung gegenüber jenen Tätern und Beteiligten, die keine NS-Spitzenstellungen innegehabt hatten. Auch in den eigenen Reihen traf Bauer auf wenig Gleichgesinnte. Sein Ausspruch "In der Justiz lebe ich wie im Exil" spielt nicht zuletzt auch auf die starke personelle Kontinuität unter den deutschen Richtern an. Bauers Vorbereitungen für ein Verfahren gegen vormalige NS-Spitzenjuristen, die an der juristischen Abschirmung der Euthanasie-Morde beteiligt gewesen seien, wurden nach seinem plötzlichen Tod 1968 nicht fortgeführt.

Fritz Bauers beharrliches Eintreten für die strafrechtrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechen wie auch sein Engagement für eine humane Rechtsordnung überhaupt schlugen sich auch in seiner umfangreichen publizistischen Tätigkeit nieder. Bauer selbst und sein Vermächtnis sind inzwischen Gegenstand der Geschichtswissenschaft und der Forschungen zur juristischen Zeitgeschichte geworden.

Am 30. Juni 2012 fand im Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig das Symposium Fritz Bauer und der Remer-Prozeß 1952 statt. Es bildete den Auftakt zu der vom 16. Juli bis 28. September 2012 im Foyer des Landgerichts Braunschweig präsentierten Ausstellung Der Prozeß um den 20. Juli – Fritz Bauer und das Braunschweiger Verfahren gegen Otto Ernst Remer 1952.

Der Dokumentarfilm "Fritz Bauer – Tod auf Raten" von Ilona Ziok zeichnet das Porträt des Mannes, der leidenschaftlich und gegen alle Widerstände für die Aufarbeitung von NS-Verbrechen kämpfte. Anlässlich der Ausstellung im Landgericht wurde der Film im Juli im C1 Cinema gezeigt. Näheres zum Film unter www.fritz-bauer-film.de.

Mit einer Auswahl aus ihren Beständen erinnert die Universitätsbibliothek Braunschweig an Fritz Bauers Wirken in Braunschweig.



[i] zuletzt aktualisiert: 31.08.2012
Email: ub@tu-bs.de