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Ausstellung Kennen Sie Beilstein?  

Kennen Sie Beilstein?


Zum 100. Todestag von Friedrich Konrad Beilstein


Ausstellung in der Chemiebibliothek, Hagenring 30
ab 6.12.2006



Die Ausstellung ist während der allgemeinen Öffnungszeiten zu besichtigen.
Unter dem Titel "Kennen Sie Beilstein?" gab das Beilstein-Institut in Frankfurt bis 1983 eine Broschüre heraus, die als Wegweiser in den komplexen Aufbau des zuletzt 503 Bände umfassenden Handbuchs der Organischen Chemie diente. Anläßlich des 100. Todestages von Friedrich Konrad Beilstein soll mit dieser Austellung an den Begründer dieses unverzichtbaren Handbuches, das heute als Datenbank weitergeführt wird, erinnert werden.

Friedrich Konrad Beilstein

*17.2.18381 St. Petersburg, † 18.10.19061 St. Petersburg  

1Geburts- und Sterbetag sind nach dem gregorianischen Kalender angegeben. Nach dem in St. Petersburg zu der Zeit gültigen julianischen Kalender sind es der 5.2. bzw. 5.10.

 

Als Sohn deutschstämmiger Eltern (sein Vater war Schneidermeister) wurde Beilstein in St. Petersburg geboren und besuchte dort die deutsche evangelische Schule. Ab 1853 studierte er in Deutschland und Frankreich Chemie: Zunächst in Heidelberg bei Robert Wilhelm Bunsen und August Kekulé, dann in München bei Justus von Liebig und darauf in Göttingen bei Friedrich Wöhler, bei dem er 1858 promoviert wurde. Ein weiterer Studienaufenthalt führte ihn nach Paris zu Charles Adolphe Wurtz und Charles Friedel.

1860 kehrt er als Assistent bei Wöhler nach Göttingen zurück. Hier ist er vorerst als Privatdozent, ab 1865 aber als außerordentlicher Professor tätig. Bereits ein Jahr später folgte er einem Ruf in seine Heimat: Er trat  die Nachfolge von Dmitri Iwanowitsch Mendelejew am Technologischen Institut in St. Petersburg an. Ab 1867 übernimmt er zusätzlich eine Lehrtätigkeit an der dortigen Militäringenieur-Akademie und wurde Ratgeber in chemischen Fragen bei der Handelsabteilung des kaiserlich-russischen Finanzministeriums. 1883 wird er korrespondierendes, drei Jahre später ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. 1896 wird er emeritiert.

Die herausragende Leistung Beilsteins, die auch aktuell die Chemiker mit seinem Namen verbinden, war sein Handbuch der organischen Chemie. Drei Auflagen hat er mit kaum zu überschätzender Arbeitsdisziplin allein bearbeitet und zehntausende von Verbindungen beschrieben, bevor er die Fortsetzung seines Lebenswerkes 1896 - vertraglich geregelt  - in die Hände der Deutschen Chemischen Gesellschaft gab.
Daneben sollen aber weitere Leistungen nicht vergessen werden. So gab er ab 1865 die von Kekulé begründete Zeitschrift für Chemie mit heraus. Zu seinen Hauptarbeitsgebieten zählten die aromatischen Verbindungen. So forschte er über die Chlorierung und Nitrierung von Benzenderivaten, z.B. von Toluol und untersuchte die Bedingungen, unter denen sich Isomere bilden.

Ein einfach auszuführender Nachweis halogenhaltiger organischer Verbindungen, mit oxidiertem Kupferblech oder -draht in der nichtleuchtenden Bunsenbrenner­flammme, geht auf ihn zurück: Die Beilstein-Probe. Diese ist zwar schnell und einfach auszuführen, aber nicht unschädlich, vgl. Nachhaltigkeit beginnt im ersten Semester von M. Bahadir, H. Hopf und B. König.

Erwähnenswert sind noch seine Forschungen zur Synthese von Propen und Penten aus Zinkethyl und zur Zusammensetzung des kaukasischen Erdöls.
 

Das Handbuch der organischen Chemie
Die erste Auflage erschien in 14 Lieferungen von 1880-1882. Sie wurden zu zwei  Bänden zusammengefasst (Bd 1.1881 und 2.1883). Ca. 15.000 Verbindungen hat Beilstein - allein, ohne Mitautoren - in eine übersichtliche Ordnung gebracht und durch Angaben zur Synthese, zu ihren Reaktionen und zu den Stoffeigenschaften charakterisiert. Es war das Ergebnis vieljähriger intensiver Material­sammlung. Selbstverständlich werden für alle Angaben die Quellen genannt, so dass die weiterführende Literatur leicht aufgesucht werden konnte.
"Alle Angaben sind den Originalabhandlungen der Verfasser … entnommen. In dem ganzen Buch findet sich kein Citat, das ich nicht vor dem Niederschreiben nachgeschlagen hätte." (Band 1, Vorbemerkung).
Das Handbuch fand erfolgreichen Absatz, nach wenigen Monaten waren die Bände vergriffen. 1886  bis 1889 erschien die stark erweiterte zweite Auflage in drei Bänden mit ca. 4000 Seiten und 1892 bis 1899 die dritte Auflage, zu der ab 1899 Ergänzungsbände bis 1906 erschienen.

Noch im Laufe des Erscheinungszeitraums der dritten Auflage konnte Beilstein die  Fortsetzung seines Lebenswerkes sichern und dazu 1896 einen Vertrag mit der Deutschen Chemischen Gesellschaft schließen. Paul Jacobsohn übernahm als Generalsekretär der Gesellschaft die redaktionelle Organisation: Die Fortsetzung konnte keinesfalls mehr von einem Einzelnen geleistet werden.  

Nach Beilsteins Tod erschien die komplett überarbeitete vierte Auflage in Lieferungen ab 1916 (Bd 1.1918) mit einem neuen Ordnungssystem. 1937 waren 27 Bände für die bis 1910 bekannten Verbindungen abgeschlossen. Seit 1928 wurden gleichzeitig  Ergänzungsbände herausgegeben, in der die ab 1910 erschienene Literatur berücksichtigt wurde. Diesem ersten Ergänzungswerk folgten vier weitere, das fünfte erschien ab 1984 in englischer Sprache. 1998 wurde die Buchproduktion eingestellt: Nun hatte die vierte Auflage mit allen Ergänzungen einen Umfang von 503 Bänden mit 440.814 Seiten erreicht.

Heute erscheint der "Beilstein" ausschließlich als Datenbank unter dem Namen "CrossFire Beilstein" mit mehr als 9 Millionen Strukturen und über 10 Millionen Reaktionen. Die Faktendatenbank enthält vor allem chemische und  physikalische, aber auch pharmakologische, umwelttoxikologische u.a. Stoffeigenschaften. 



[i] zuletzt aktualisiert: 22.04.2010
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