Unter
dem Titel "Kennen Sie Beilstein?" gab das Beilstein-Institut in
Frankfurt bis 1983 eine Broschüre heraus, die als Wegweiser in den
komplexen Aufbau des zuletzt 503 Bände umfassenden Handbuchs der
Organischen Chemie diente.
Anläßlich des 100. Todestages von Friedrich Konrad Beilstein
soll mit dieser Austellung an den Begründer dieses unverzichtbaren
Handbuches, das heute als Datenbank weitergeführt wird, erinnert
werden.
Friedrich
Konrad Beilstein
*17.2.18381
St.
Petersburg, † 18.10.19061 St. Petersburg
1Geburts- und Sterbetag
sind nach
dem gregorianischen Kalender angegeben. Nach dem in St. Petersburg zu
der Zeit
gültigen julianischen Kalender sind es der 5.2. bzw. 5.10.
Als Sohn
deutschstämmiger
Eltern (sein Vater war Schneidermeister) wurde Beilstein in St.
Petersburg
geboren und besuchte dort die deutsche evangelische Schule. Ab 1853
studierte er in Deutschland
und Frankreich Chemie: Zunächst in Heidelberg bei Robert Wilhelm
Bunsen und
August Kekulé, dann in München bei Justus von Liebig und
darauf in Göttingen
bei Friedrich Wöhler, bei dem er 1858 promoviert wurde. Ein
weiterer Studienaufenthalt
führte ihn nach Paris zu Charles Adolphe Wurtz und Charles Friedel.
1860 kehrt
er als Assistent
bei Wöhler nach Göttingen zurück. Hier ist er vorerst
als Privatdozent, ab 1865
aber als außerordentlicher Professor tätig. Bereits ein Jahr
später folgte er
einem Ruf in seine Heimat: Er trat die
Nachfolge
von Dmitri Iwanowitsch Mendelejew am Technologischen Institut in St.
Petersburg
an. Ab 1867 übernimmt er zusätzlich eine Lehrtätigkeit
an der dortigen Militäringenieur-Akademie
und wurde Ratgeber in chemischen Fragen bei der Handelsabteilung des
kaiserlich-russischen
Finanzministeriums. 1883 wird er korrespondierendes, drei Jahre
später
ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in St.
Petersburg. 1896
wird er emeritiert.
Die herausragende Leistung Beilsteins, die
auch aktuell die Chemiker mit
seinem Namen verbinden, war sein Handbuch
der organischen Chemie. Drei Auflagen hat er mit kaum zu
überschätzender
Arbeitsdisziplin allein bearbeitet und zehntausende von Verbindungen
beschrieben,
bevor er die Fortsetzung seines Lebenswerkes 1896 - vertraglich
geregelt - in die Hände der Deutschen
Chemischen
Gesellschaft gab.
Daneben sollen aber weitere
Leistungen nicht vergessen werden. So gab er ab 1865 die von
Kekulé begründete Zeitschrift für Chemie mit
heraus. Zu
seinen Hauptarbeitsgebieten zählten die aromatischen Verbindungen.
So forschte er über die Chlorierung und Nitrierung von
Benzenderivaten, z.B. von Toluol und untersuchte die Bedingungen, unter
denen
sich Isomere bilden.
Ein
einfach auszuführender
Nachweis halogenhaltiger organischer Verbindungen, mit oxidiertem
Kupferblech
oder -draht in der nichtleuchtenden Bunsenbrennerflammme, geht auf
ihn zurück:
Die Beilstein-Probe. Diese ist zwar schnell und einfach
auszuführen, aber nicht unschädlich, vgl.
Nachhaltigkeit
beginnt im ersten Semester von M. Bahadir, H. Hopf und B.
König.
Erwähnenswert sind noch
seine Forschungen zur Synthese von Propen und Penten aus Zinkethyl und
zur
Zusammensetzung des kaukasischen Erdöls.
Das
Handbuch der organischen Chemie
Die erste Auflage erschien in
14 Lieferungen von 1880-1882. Sie wurden zu zwei Bänden
zusammengefasst (Bd 1.1881 und 2.1883).
Ca. 15.000 Verbindungen hat Beilstein - allein, ohne Mitautoren - in
eine übersichtliche
Ordnung gebracht und durch Angaben zur Synthese, zu ihren Reaktionen
und zu den
Stoffeigenschaften charakterisiert. Es war das Ergebnis
vieljähriger intensiver
Materialsammlung. Selbstverständlich werden für alle
Angaben die Quellen
genannt, so dass die weiterführende Literatur leicht aufgesucht
werden konnte.
"Alle Angaben sind
den Originalabhandlungen der
Verfasser … entnommen. In dem ganzen Buch findet sich kein Citat, das
ich nicht
vor dem Niederschreiben nachgeschlagen hätte." (Band 1, Vorbemerkung).
Das Handbuch fand erfolgreichen
Absatz, nach wenigen Monaten waren die Bände vergriffen. 1886 bis 1889 erschien die stark erweiterte zweite
Auflage in drei Bänden mit ca. 4000 Seiten und 1892 bis 1899 die
dritte Auflage,
zu der ab 1899 Ergänzungsbände bis 1906 erschienen.
Noch
im Laufe des Erscheinungszeitraums der dritten Auflage konnte Beilstein
die Fortsetzung seines Lebenswerkes
sichern und dazu 1896 einen Vertrag mit der Deutschen Chemischen
Gesellschaft schließen.
Paul Jacobsohn übernahm als Generalsekretär der Gesellschaft
die redaktionelle
Organisation: Die Fortsetzung konnte keinesfalls mehr von einem
Einzelnen
geleistet werden.
Nach
Beilsteins Tod erschien
die komplett überarbeitete vierte Auflage in Lieferungen ab 1916
(Bd 1.1918)
mit einem neuen Ordnungssystem. 1937 waren 27 Bände für die
bis 1910 bekannten
Verbindungen abgeschlossen. Seit 1928 wurden gleichzeitig
Ergänzungsbände herausgegeben, in der die ab
1910 erschienene Literatur berücksichtigt wurde. Diesem ersten
Ergänzungswerk
folgten vier weitere, das fünfte erschien ab 1984 in englischer
Sprache. 1998
wurde die Buchproduktion eingestellt: Nun hatte die vierte Auflage mit
allen Ergänzungen
einen Umfang von 503 Bänden mit 440.814 Seiten erreicht.
Heute
erscheint der "Beilstein"
ausschließlich als Datenbank unter dem Namen "CrossFire
Beilstein"
mit mehr als 9 Millionen Strukturen und über 10 Millionen
Reaktionen. Die
Faktendatenbank enthält vor allem chemische und physikalische,
aber auch pharmakologische,
umwelttoxikologische u.a. Stoffeigenschaften.
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