| Ausstellung Richard Dedekind 1831 - 1916 |
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Anläßlich der 175. Wiederkehr des Geburtstages von Julius Wilhelm Richard Dedekind am 6. Oktober 2006 zeigt die Universitätsbibliothek Braunschweig eine kleine Ausstellung zum Leben und Werk des in Braunschweig geborenen Mathematikers, der 1852 mit 21 Jahren als letzter Schüler von Karl Friedrich Gauß an der Universität Göttingen promoviert wurde. Gauß prägte Dedekind nachhaltig, doch auch der ihm folgende Dirichlet, zu dem Dedekind auch eine freundschaftliche Beziehung aufbaute, beeinflusste die Arbeiten des Braunschweigers.
Dedekind gilt als einer der Wegbereiter der modernen
strukturellen Auffassung der Algebra und algebraischen Zahlentheorie, die er
von Grund auf erneuerte. Zahlreiche Würdigungen und Mitgliedschaften in
diversen Akademien zeugen von seinem hohen Ansehen.
Seine erste Bahn brechende Veröffentlichung „Stetigkeit
und irrationale Zahlen“ widmete Dedekind 1872 als Gratulationsschrift zum
50jährigen Amtsjubiläum seinem Vater, der von 1822 bis 1872 als Professor der
Rechtswissenschaft am Collegium Carolinum wirkte; 1844 stand daneben die
Bibliothek des Collegiums in seiner Obhut, die er als Zweiter Bibliothekar dann
noch in den Jahren 1864 bis 1868 betreute.
Im Vorwort schrieb Dedekind, dass es ihm am 24. November
1858 gelang, den „eigentlichen Ursprung in den Elementen der Arithmetik zu
entdecken und hiermit zugleich eine wirkliche Definition von dem Wesen der
Stetigkeit zu gewinnen.“
Der Dedekindsche Schnitt im System der reellen Zahlen „ist eine Einteilung der Menge aller reellen Zahlen in zwei nichtleere Klassen A und B, so dass jede Zahl aus A kleiner ist als jede Zahl aus B. Die Klasse B soll keine kleinste Zahl enthalten. Zu jeder ε > 0 soll es Elemente a ∈ A und b ∈ B geben mit b – a < ε. Dann bestimmt der Dedekindsche Schnitt genau eine reelle Zahl r mit a ≤ r ≤ b für alle a ∈ A und b ∈ B.“ (zitiert nach: Bosch, Karl: Mathematik-Lexikon : Nachschlagewerk und Formelsammlung für Anwender. – München 2000, S. 87. -Sign.: MA B 126)
1960 erschien die 7. eigenständige Auflage dieses Bändchens,
das 1969 in Verbindung mit „Was sind und was sollen die Zahlen?“ nochmals
gedruckt wurde.
1863 veröffentlichte Dedekind erstmals die Vorlesung über
Zahlentheorie nach eigenen Notizen, die er selbst nach den Vorlesungen von P.G.
Lejeune Dirichlet in Göttingen gemacht und mit ihm dort diskutiert hatte.
Im XI. Supplement in der 3. Auflage (1879) der
Vorlesungen erschien das Lebenswerk Dedekinds „Ueber die Theorie der ganzen
algebraischen Zahlen“, eine verbesserte und erweiterte Fassung des X. Supplements,
das in der 2. Auflage 1871 erschienen war. B.L. van der Waerden nennt diese Schrift im Geleitwort
zu einer Neuauflage von 1964 „einen Wendepunkt in der Geschichte der Zahlentheorie und der Algebra“.
1877 bezeichnete der Mathematiker Robert Fricke In seiner Festrede zum 150. Geburtstag von Karl Friedrich Gauß (1877) die Dedekinds Schrift „Über die Anzahl der Ideal-Classen in den verschiedenen Ordnungen eines endlichen Körper“, herausgegeben als „Festschrift zur Saecularfeier des Geburtstages von Carl Friedrich Gauss dargebracht vom Herzoglichen Collegium Carolinum zu Braunschweig“ „als eine Brücke geschlagen zwischen dem funktionentheoretischen Denken Riemanns [Nachfolger Dirichlets in Göttingen] und seiner eigenen [Dedekinds] Zahlentheorie“ (zitiert nach: Richard Dedekind : 1831 - 1981 ; eine Würdigung zu seinem 150. Geburtstag. – Braunschweig 1981, S. 25. – Sign: 2590-0486 und 2308-2377).
Auf knapp 60 Seiten gibt Dedekind in „Was sind und was sollen die Zahlen“ 1888 „eine logisch einwandfreie Darstellung der Konstruktion der rationalen und reellen Zahlen aus den ganzen Zahlen.“ (zitiert nach: Frei, Günther: Die Mathematiker an den Zürcher Hochschulen. – Basel 1994, S. 36. – Sign.: MA U 401). Der Braunschweiger Vieweg-Verlag brachte noch 1969 einen 2. unveränderten Nachdruck der 10. Auflage dieser Schrift heraus, die 1998 in spanischer Sprache erschien.
Seine sehr engen kollegialen und freundschaftlichen
Beziehungen zu dem Erfinder der Mengenlehre Georg Cantor in Halle ist durch den
regen Briefwechsel der beiden Wissenschaftler dokumentiert, von dem ein Teil
sich im Besitz des Universitätsarchivs der TU Braunschweig befindet. Cantor
pflegte seine Überlegungen vor einer Veröffentlichung mit Dedekind zu
diskutieren, woraus beide Nutzen zogen.
Emmy Noether, Professorin für Mathematik in
Göttingen, war eine große Anhängerin von
Richard Dedekind. Sie gab zusammen mit Rudolf Fricke, dem Nachfolger Dedekinds
an der TH Braunschweig, und einem ihrer Schüler, Oystein Ore aus Norwegen, in
den Jahren 1930 bis 1932 die gesammelten Schriften Dedekinds in drei Bänden
heraus. 1969 erschien ein Nachdruck in den USA.
| 6. Oktober 1831 | geb. in Braunschweig Besuch der Bürgerschule, Abitur am Martino-Katharineum |
| um 1848 | erteilt Privatunterricht in Mathematik |
| 2. Mai 1848 | Eintrag ins Matrikelbuch des Collegium Carolinum (Studium der Grundlagen der höheren Mathematik und der Naturwissenschaften) |
| 17. April 1850 | Einschreibung zum Studium der Mathematik an der Georgia Augusta in Göttingen |
| März 1852 | Dissertation „Über die Elemente der Theorie der Eulerschen Integrale“, als letzter Schüler von Karl Friedrich Gauß |
| 1854 | Habilitation „Über die Transformationsformeln für rechtwinklige Koordinaten“ |
1854/1855![]() |
Privatdozent an der Georgia Augusta in Göttingen Vorlesungen über Wahrscheinlichkeitstheorie undGeometrie, Freundschaft mit dem Mathematiker Bernhard Riemann, Besuch von Vorlesungen des Gauß-Nachfolgers P.G. Lejeune Dirichlet |
| 3. April 1858 | Anstellung als ordentlicher
Professor am Polytechnikum in Zürich Vorlesungen über Differential-, Integralrechnung, Analytische Geometrie, Kreisteilung, Zahlentheorie, Wahrscheinlichkeitsrechnung |
| 24. November 1858 | Idee zum Dedekindschen Schnitt |
| 1. April 1862 | Anstellung als ordentlicher Professor für Mathematik am Polytechnikum in Braunschweig |
1863![]() | Nach dem letzten Willen des 1859 verstorbenen Dirichlet veröffentlicht Dedekind nach eigenen Aufzeichnungen erstmals „Dirichlets Vorlesungen über Zahlentheorie“, beim Braunschweiger Verlag Vieweg. Die „Vorlesungen“, erscheinen mit immer mehr eigenen Ergänzungen in mehreren Auflagen. |
| 26. April 1872 | „Stetigkeit und irrationale Zahlen“, in der er den Dedekindschen Schnitt einführt. |
| 1872-1875 | Als erster gewählter Direktor des Polytechnikums bereitet Dedekind dessen Erhebung zur Herzoglich Technischen Hochschule (1878) vor; als Vorsitzender der Baukommission treibt er den Neubau an der Pockelsstraße voran. |
| 1877 | Beteiligung an der Errichtung des
Gaußdenkmals Zur Feier des 100. Geburtstages von Gauß am 30. April hielt Dedekind den Vortrag „Über die Anzahl der Ideal-Klassen in den verschiedenen Ordnungen eines endlichen Körpers“, |
| 1879 | Die Dritte Auflage von „Dirichlets Vorlesungen über Zahlentheorie“, erscheint mit der Idealtheorie, Dedekinds Lebenswerk, als 11. Supplement. |
| 1888 | „Was sind und was sollen die Zahlen?“, |
1894![]() | Eintritt in den Ruhestand nach 32 Jahren Lehrtätigkeit. Während der Wintersemester hielt Dedekind aber weiter Vorlesungen. |
| 1909 | Ehrendoktorwürde in Zürich als einer der ersten durch die Verleihung des Ehrendoktors gewürdigten Personen in Zürich |
1910![]() | Verleihung der Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft durch Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Regent des Herzogtums Braunschweig |
| 1915 | Ehrendoktorwürde in Braunschweig |
| 4. September 1916 | Tod in Braunschweig |
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18. 09. 2006
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