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Johann Joachim Eschenburg
Professor für Schöne Litteratur und Philosophie und Bibliotheksleiter am Collegium Carolinum  

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Johann Joachim Eschenburg


Professor für Schöne Litteratur und Philosophie und Bibliotheksleiter am Collegium Carolinum

 

 

 

 



Anläßlich der Internationalen Tagung "Johann Joachim Eschenburg und die Künste und Wissenschaften zwischen Spätaufklärung und Romantik" vom 15.-17. Oktober 2010













Literatur von und über Johann Joachim Eschenburg in der Universitätsbibliothek Braunschweig


Der Übersetzer Eschenburg

Seiner Beschäftigung mit dem Werk William Shakespeares verdankt Eschenburg sein überregionales Ansehen. Bereits 1771 übersetzte er An essay on the writings and genius of Shakespeare, compared with Greek and French dramatic poets von Elizabeth Montagu, der zwei Jahre zuvor in englischer Sprache erschienen war.

Von 1775 bis 1777 erschien Eschenburgs Fortsetzung und Abschluss der Übersetzungsarbeit Christoph Martin Wielands: William Shakespear’s Schauspiele. Neue Ausgabe, im Verlag Orell in Zürich. In 12 Bänden und einem 1786 erschienen 13. Band legte Eschenburg eine Revision des Wielandschen Textes vor und fügte eigene Übertragungen hinzu.

1787 veröffentlichte er seine Arbeit Ueber W. Shakespeare. Sie gilt bis heute als "Summe der gesamten philologisch kritischen Bemühungen bis dahin" (M. Maurer: Aufklärung und Anglophilie in Deutschland, 1987) und ihr Autor als Begründer der modernen Shakespeare-Forschung.

Eschenburg übersetzte jedoch nicht nur Shakespeare, sondern widmete sich neben der Literatur auch der Kunst und Musik: Seine Übertragung der 1801 erschienenen Lectures on Painting des in London lebenden Schweizer Malers und Publizisten Johann Heinrich Füssli (1741-1825) als Vorlesungen über die Malerei (1808) übte einen nicht unerheblichen Einfluss auf die romantische Malerei in Deutschland aus.

Auch wurden zahlreiche Opern und Singspiele von Eschenburg bearbeitet und übersetzt, vor allem Werke aus dem Französischen, und wodurch sich der Braunschweiger Professor einen Namen in der Musikgeschichte erwarb.

Der Wissenschaftstheoretiker Eschenburg

Auf Grundlage seiner Vorlesungen am CC publizierte Eschenburg drei Werke, die in der Zeit zwischen Aufklärung und Romantik sowohl für die Geschichte der Wissenschaften wie auch der Disziplinen von großer Bedeutung waren.

Entwurf einer Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften, Frankfurt 1783.
Erschien bis 1836 in mehreren Auflagen, ab der 3. Auflage, 1805, als Entwurf einer Theorie und Literatur der schönen Redekünste. Eine französische Ausgabe erschien 1789 in St. Petersburg, 1829 und 1833 wurde die holländische Übersetzung herausgegeben. Das Werk wurde gern als Lehrbuch in Schulen verwandt, u. a. auch von Johann Gottfried von Herder, wie dieser in einem Brief an Eschenburg im April 1788 berichtete. Mit der 1788-95 erschienenen Beispielsammlung legte er eine Art Kanon für die Gymnasiasten vor, der den Entwurf ergänzte. Sie wurde 1813 sogar ins Französische übersetzt.

Handbuch der Klassischen Literatur, Berlin 1783
Erschien bis 1837 in acht Auflagen, zusätzlich wurden Teile gesondert herausgegeben; 1801/02 erschien eine französische, 1805 eine dänische Übersetzung. 1836 übertrug Nathan Welby Fiske das Handbuch ins Englische und stattete es mit Illustrationen aus. Zugrunde liegt dem Handbuch die Anleitung zu den vornehmsten historischen Wissenschaften, die 1711 von Benjamin Hederich herausgegeben worden war. Eschenburg überarbeitete dessen Text und ergänzte ihn in erheblichem Maße, so dass es sich schließlich um ein eigenständiges Werk handelte.

Lehrbuch der Wissenschaftskunde, Berlin 1792
Erschien in drei Auflagen (1792, 1800, 1809). Erstmals erscheint hier in der Wissenschaft der Begriff 'Wissenschaftskunde', wie Joachim Heinrich Campe in seinem Wörterbuch zur Erklärung und Verdeutschung der unserer Sprache aufgedrungenen fremden Ausdrücke, Braunschweig 1801, hervorhob. Eschenburg legte hier ein Lehrbuch vor, dass enzyklopädisch die Wissenschaftsdisziplinen erklärt und diese Darstellungen um eine kritische Bibliographie ergänzt.

Der Herausgeber Eschenburg

Seit Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) 1770 sein Amt als Bibliothekar der herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel antrat, entwickelte sich zwischen ihm und Eschenburg eine enge Bekanntschaft, aus der im Laufe der Jahre Freundschaft wurde. Beide teilten das Interesse an Sprache und Literatur, von der auch ihre Korrespondenz zeugt. Häufig leihen sie sich gegenseitig Bücher aus, die sie für ihre literarische Arbeit benötigen, oder diskutieren neu erschienene Werke.
Den 5. Beitrag Zur Geschichte und Litteratur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel bearbeiteten die beiden Autoren gemeinsam; er erschien nach Lessings Tod 1781.

Friedrich Wilhelm Zachariae (1726-1777) war der Vorgänger Eschenburgs auf dem Lehrstuhl für schöne Literatur und Philosophie am Collegium Carolinum. Er gehörte zu den Bremer Beiträgern, einem Kreis von Dichtern, die die Neuen Beiträge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes gegründet hatten und nun mit Arbeiten belieferten. Hierzu gehörte auch Konrad Arnold Schmid, Schwiegervater Eschenburgs, und Christian Fürchtegott Gellert, den er aus Leipzig kannte.
Nach Zachariaes Tod gab Eschenburg verschiedene Schriften von ihm heraus, die er bearbeitete, kommentierte und denen er Anmerkungen hinzufügte.



Johann Jaochim Eschenburg

7.12.1743    Geboren in Hamburg
ab 1753    Besuch des Hamburger Johanneums
ab Ostern 1762    Wechsel zum Akademischen Gymnasium in Hamburg
7.4.1764    Studium der Theologie in Leipzig. Durch die Begegnung mit dem Dichter Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) und dem Philologen August Wilhelm Ernesti (1733-1801) weitete er seine Studien auf die "schönen Wissenschaften" aus.
25.5.1767    Weiterführung des Studiums in Göttingen und Freundschaft mit Karl Wilhelm Jerusalem (1747-1772), der nach seinem Selbstmord Goethe als Vorlage für die Figur des Werthers diente. Sein Vater war Abt Jerusalem, Mitbegründer des Collegium Carolinum (CC), der Eschenburg eine Stelle als Hofmeister am Collegium anbot.
ab Herbst 1767    Hofmeister in Braunschweig
WS 1769/70    Vorlesung der Geschichte der Wissenschaften unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte der schönen Literatur
Ab 1770    Freundschaft mit dem in Wolfenbüttel arbeitenden Dichter Gottfried Ephraim Lessing (1729-1781)
1773    Prinzenerzieher am herzoglichen Hofe in Braunschweig, Ernennung zum außerordentlichen Professor
1775-1777    Shakespeare-Übersetzung Shakespeare’s Theatralische Werke in 12 Bänden, später nachgedruckt und 2. Originalausgabe 1798-1806
24.2.1777    Ordentlicher Professor für schöne Literatur und Philosophie als Nachfolger des verstorbenen Justus Friedrich Wilhelm Zacharias
25.5.1777    Heirat mit Marie Dorothea Schmid (1751-1799), Tochter von Konrad Arnold Schmid, ebenfalls o. Prof. am CC, mit der Eschenburg 2 Söhne und 2 Töchter hat.
1781    Vollendung des 5. Bandes von Lessings Zur Geschichte und Litteratur. Aus den Schätzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel nach dessen Tod.
12.8.1782    Bibliothekar am CC
1783    Handbuch der classischen Litteratur, Alterthumskunde und Mythologie (8. Aufl.: 1837)
Entwurf einer Theorie und Litteratur der schönen Wissenschaften (5. Aufl.: 1836)
1786    Ernennung zum Hofrat
1787    Direktor des Intelligenzwesens (Informationsmanagement)
1788-1795    Beispielsammlung zur Theorie und Litteratur der schönen Wissenschaften in 8 Bänden
Herausgeber des Braunschweigschen Magazins
1792    Lehrbuch der Wissenschaftskunde, ein Grundriß encyklopädischer Vorlesungen (7. Auf.: 1825)
1795    Kanonikus des St. Cyriak-Stifts Braunschweig
1799    Denkmäler altdeutscher Dichtkunst
Tod von Eschenburgs Frau
1808-1814    Freiwillige Pensionierung zur Zeit der Umwandlung des CC in eine Militärakademie
1812    Entwurf einer Geschichte des Collegii Carolini zu Braunschweig
1814    Mitglied des Direktoriums und Bibliothekar am CC
1818    Geheimer Justizrat, Ritter des Guelphenordens, Dr. phil. h. c. der Universitäten Göttingen und Marburg
29.2.1820    77-jährig stirbt Eschenburg in Braunschweig nach 53 Jahren als Lehrer am CC.




[i] zuletzt aktualisiert: 04.10.2010
Email: ub@tu-bs.de