Promotion Die Universitätsbibliothek erinnert in einer kleinen Ausstellung an den sich in diesem Jahr zum 150. Male jährenden Geburtstag von Hans Geitel, Oberlehrer am Wolfenbütteler Gymnasium Große Schule. Zusammen mit seinem Freund aus frühen Jugendtagen Julius Elster, ebenfalls Oberlehrer am dortigen Gymnasium , leistete er Pionierarbeit bei der Erforschung der Radioaktivität.

„Zwei Freunde – ein Wissenschaftler“ ist man geneigt zu sagen, wenn man sich mit der Biographie der beiden Oberlehrer aus Wolfenbüttel beschäftigt. 1861 lernten sie sich im zum Herzogtum Braunschweig gehörenden Blankenburg kennen und waren fortan durch eine enge Freundschaft verbunden; auch räumlich gab es nur wenige Trennungen.
Ihre gemeinsame Leidenschaft zu jeder Art von Naturwissenschaft ließ sie zunächst Käfer und Pflanzen sammeln; dann ging es mit chemischen Experimenten der beiden Freunde und Bruder Max Geitel weiter; spätestens beim Studium 1875 stand dann die Physik im Mittelpunkt ihres Interesses, das sie bei Robert Bunsen in Heidelberg begannen.
Ihre wissenschaftlichen Forschungen leisteten Elster und Geitel vor allem auf dem Gebiet der atmosphärischen Elektrizität und dem der Radioaktivität.
So konnten sie im Jahre 1900 im Experiment nachweisen, dass Luft und Staubteilchen der Luft keine Elektrizität leiten, sondern dass von der Ionisierung der Luft ausgegangen werden müsse. Viele Veröffentlichungen auf diesem Gebiet belegen ihre stete Beschäftigung mit diesem Thema. Ihre Kontakte konnten sie durch Besuche auf Tagungen, Kongressen und Sitzungen verschiedener wissenschaftlicher Gesellschaften, deren Mitgliedschaft ihnen auch angeboten wurde, knüpfen bzw. ausweiten. Mit Ferdinand Braun, Max Planck   und Heinrich Hertz standen sie z.B. in brieflichem Kontakt.
Aus ihren Arbeiten auf dem Gebiet der Radioaktivität folgerten Elster und Geitel, dass  die radioaktive Strahlung eine Folge des Zerfallsprozesses eines Atoms ist. Diese These äußerten sie im Januar 1899 auf der Versammlung des Braunschweiger Vereins für Naturwissenschaften. Ihr Ansehen bei den Wissenschaftskollegen lässt sich u.a. daran erkennen, dass Pierre Curie beide z.B. mit Ernest Rutherford, André.Louis Debierne, Friedrich Giesel, William Crookes, William Ramsay und Frederick Soddy nennt, als er sich für den Nobelpreis bedankte.
Zu ihrem 60. Geburtstag wurden sie neben der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Technische Hochschule und des Titels Geheimer Hofrat durch den Herzog von ihren Kollegen und Schülern durch eine 720 Seiten umfassende Festschrift, an der sich 60 Wissenschaftler beteiligten, geehrt.
Eine gemeinsame Professur in Breslau lehnten sie 1904 ab, um weiter neben ihrem Schullehramt und ohne administrative Aufgaben forschen zu können.
Der wissenschaftliche Nachlass wird in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel bewahrt; das Museum im Schloss plant für 2007 eine Ausstellung über die beiden Physiker.


Hans Geitel

In diesem Jahr jährte sich der Geburtstag von Hans Geitel zum 150. Mal: Er wurde  am 16. Juni 1855 als Sohn des Forstsekretärs bei der Herzoglich Braunschweigischen Kammer Carl Geitel und dessen Ehefrau Meta in Braunschweig geboren. Er wuchs wegen seiner angegriffenen Gesundheit äußerst behütet auf, zunächst in Braunschweig, wo er von einem Hauslehrer und auch seinem Vater unterrichtet wurde. 1861 siedelte die Familie nach Blankenburg über, wohin Carl Geitel als Forstmeister versetzt worden war.
Die nach einiger Zeit bezogene Villa in Blankenburg grenzte an das Grundstück der Familie Elster. Hans Geitel und der fast gleichaltrige Nachbarssohn Julius Elster lernten sich so kennen und besuchten gemeinsam zunächst die Blankenburger Bürgerschule und später das humanistische Gymnasium. Die gemeinsame Leidenschaft für die Naturwissenschaften, von der Zoologie und Botanik über die Chemie zur Physik, verband sie ein Leben lang in enger Freundschaft.
Geitels Mutter hatte sich nach dem Tode ihres Mannes in Wolfenbüttel niedergelassen. Dorthin zog Geitel 1879 nach dem gemeinsamen Studium in Berlin und begann sein Probejahr am Gymnasium „Große Schule“. 1881 erhielt er eine feste Anstellung und konnte seinen Freund Julius Elster von Blankenburg nach Wolfenbüttel holen, so dass beide wieder vereint waren.
Geitel widmete sich ganz seinen Forschungen, war aber durchaus gesellig: Trotz vieler Bücherstapel auf Tischen, Stühlen und Boden und mit Papieren übersätem Schreibtisch soll sich in seiner Wohnung immer noch ein Plätzchen gefunden haben, mit Freunden eine Flasche Rheinwein zu trinken!
Nach dem Tode der Mutter siedelte Geitel in das Haus des jungen Ehepaares Elster und bewohnte die obere Etage. Nach deren Tod 1920 heiratete Geitel seine Cousine Marie, die ihm zunächst den Haushalt geführt hatte.
Viele Ehrungen wurden beiden Wissenschaftlern gemeinsam zuteil. Dem nicht promovierten Geitel wurde 1899 die Ehrendoktorwürde der Universität Göttingen verliehen. Ende 1909 erhielt Geitel das Verdienstabzeichen für Kunst und Wissenschaften in Silber des Herzogtums Braunschweig. Nach dem Tode des Freundes nahm Geitel eine Honorarprofessur an der Technischen Hochschule in Braunschweig an und las über atmosphärische Elektrizität.
Sein ohnehin immer labiler Gesundheitszustand verschlechterte sich, so dass Geitel den Schuldienst 1923 quittieren musste. Nach einer Magenoperation erholte er sich er sich nicht. Hans Geitel starb am 15. August 1923.
 

Julius Elster

Julius Elster wurde am 24. Dezember 1854 im zum Herzogtum Braunschweig gehörenden Blankenburg als Sohn des Theologen, Hauslehrers und Leiters einer Pension für Ausländer Carl Julius Elster und seiner Frau Clara Stegmann geboren.
Mit sieben Jahren, 1861,  begegnete er erstmals Hans Geitel, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft und wissenschaftliche Partnerschaft verbinden sollte.
Elster schloss 1875 das Gymnasium in Blankenburg mit dem Abitur ab und studierte mit Geitel zunächst in Heidelberg Naturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Physik. Hier hörten sie die Einführungsvorlesungen zur Experimentalchemie von Robert Bunsen.
Nach drei Semestern gingen die Freunde nach Berlin und wandten sich der Mathematik zu, doch bereits 1878 verließen sie die Großstadt – Elster ging nach Heidelberg zurück, wo er 1879 mit der Arbeit „Über die in freien Wasserstrahlen auftretenden elektromotorischen Kräfte“ promoviert wurde.
Nach seiner Militärzeit im Braunschweigischen Infanterie-Regiment absolvierte Elster sein Probejahr als Gymnasiallehrer in Blankenburg. Seine Englischkenntnisse und die Vermittlung seines Freundes Geitel ermöglichten ihm, Ostern 1881 seine Arbeit als Lehrer am Gymnasium „Große Schule“ in Wolfenbüttel anzutreten.
1886 heiratete Julius Elster die Wolfenbütteler Bankierstochter Emilie Fink. Das junge Ehepaar zog in das Erdgeschoss einer geräumigen Villa in der Lessingstraße in Wolfenbüttel, Hans Geitel bewohnte das Obergeschoss. Im Keller und später auf dem Dachboden waren Experimentierräume eingerichtet.
1896 war Elster der Titel Professor verliehen worden, 1915 wurde er zum Geheimen Hofrat und von der Technischen Hochschule in Braunschweig zum Ehrendoktor ernannt. Er war Ehrenmitglied in zahlreichen in- und ausländischen wissenschaftlichen Gesellschaften wie dem Verein für Naturwissenschaften zu Braunschweig, dem Physikalischen Verein zu Frankfurt a.M., der Literary and Philosophical Society in Manchester, der Kaiserlich Leopoldinisch-Karolinischen Akademie in Halle und der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen.
1919 wurde er aufgrund seiner starken Diabetes-Erkrankung in den Ruhestand versetzt. Er starb am 8. April 1920 in Wolfenbüttel.



Bibliographie (Auswahl)

1895
Elster, Julius:
Eine übersichtliche Form eines Hochspannungs-Transformators ohne Ölisolation / von Julius Elster. – In: Jahresbericht des Vereins für Naturwissenschaft zu Braunschweig ; 10.1895, S. 42-51. Signatur: Ha-251(10)

1896
Elster, Julius:
Versuche über Hyperphosphorescenz / von J. Elster. - In: Jahresbericht des Vereins für Naturwissenschaft zu Braunschweig ; 10.1896, S. 149-154 Signatur: Ha-251(10)

1899
Elster, Julius und Geitel, Hans:
Ueber Becquerelstrahlen / von J. Elster und H. Geitel. – In: Jahresbericht des Vereins für Naturwissenschaft zu Braunschweig ; 11.1899, S. 271-276. Signatur: Ha-251(11)

Elster, Julius und Geitel, Hans:
Über die Existenz electrischer Ionen in der Atmsophäre / J. Elster und H. Geitel. – In: Terrestrial Magnetism, (4) 1899, S. 213-234.

1902
Elster, Julius und Geitel, Hans:
Messungen der Elektricitätszerstreuung in der freien Luft / von J. Elster und H. Geitel. – In: Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Math.-nat. Cl., Abth. IIa ; 1902. S. 946-981.

1909
Elster, Julius:
Über den gegenwärtigen Stand der Radiumforschung / von J. Elster. – In: Verhandlungen // Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte ; 1909. S. 105-123. Signatur: Ha-823(81.1.2)

1920
Townsend, John Sealy Edward:
Die Ionisation der Gase / von J. S. Townsend. - Leipzig, 1920. - XVII, 473 S. : Ill., graph. Darst. (Handbuch der Radiologie / hrsg. von Erich Marx ; Bd. 1)
Literaturangaben
Die Vorlage enth. insgesamt 2 Werke

Enth. Werke
[Enthaltenes Werk]
Geitel, Hans Friedrich Karl:
Die Radioaktivität der Erde und Atmosphäre / Hans Geitel. - 1920 Signatur: IV Cb 265(1)

1925
Geitel, Hans:
Photoelektrische Meßmethoden / von Hans Geitel. – In: Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden / unter Mitarb. von zahlr. Fachmännern hrsg. von Emil Abderhalden. - Berlin [u.a.] : Urban & Schwarzenberg, (1924/1925) 1925. – S. 1-38. Signatur: Ea-53(2,1)


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