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Das Bild der NaturDer historische Buchbestand des Staatlichen Naturhistorischen Museums Braunschweig in der UniversitätsbibliothekAusstellung vom 26. Februar 2004 bis zum 31. Juli 2004 verlängert bis 23.10.2004in der Universitätsbibliothek BraunschweigDie in der Ausstellung gezeigten Bücher der Universitätsbibliothek Braunschweig stammen aus dem historischen Buchbestand des Naturhistorischen Museums. Dieses wiederum war bis Mitte des 19. Jahrhunderts - bevor Kunst- und Naturkundesammlung getrennt wurden - integraler Bestandteil des Herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinetts, das Carl I., Herzog von Braunschweig und Lüneburg, 1754 eingerichtet hatte. Carl I. hat bis zu seinem Tod 1780 - mit erheblichen finanziellen Aufwand - die Sammlung erweitert und Ankäufe persönlich betreut. Aus diesem Kabinett entwickelten sich das heutige Herzog Anton Ulrich-Museum und das Staatliche Naturhistorische Museum. Damit gehört das Braunschweiger Museum zu einem der ältesten Europas, für den naturhistorischen Bereich ist es das älteste öffentlich zugängliche Naturkunde-Museum auf dem Kontinent! Aus dem Buchbestand wurden Werke des 16. bis 18. Jahrhunderts ausgewählt,
die mit hervorragenden, oft aufwändig kolorierten Abbildungen
ausgestattet sind. Dabei soll die hohe künstlerische Qualität der Holzschnitte
und Kupferstiche, aber auch die wissenschaftliche Bedeutung in ihrer Zeit gezeigt werden.
Der Schwerpunkt liegt bei den illustrierten Tierbüchern, u.a. mit
Abbildungen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien, Amphibien und
Insekten. Herausragend sind etwa die Werke der Maria Sibylla Merian. Ausstellungseröffnung:
Mittwoch, 25. Februar, 19:30 Uhr Die Ausstellung ist bis zum
31. Juli 2004 (verlängert bis
23.10.) während der
allgemeinen Öffnungszeiten zu besichtigen. |
Die in den Vitrinen ausgestellten Bücher haben den Nachteil, daß sie nicht in die Hand genommen werden können, um darin zu blättern. Daher sind nachfolgend Bilder angefügt, die beispielhaft weitere Einblicke in die illustrierten Werke des historischen Buchbestandes ermöglichen.
Der Reihenfolge in der Ausstellung entsprechend, steht am Beginn die Klasse der Säugetiere, dann geht es über die Vögel, Fische, Amphibien zu den Insekten und Spinnentieren schließlich zum Stamm der Weichtiere etc. Wegen ihrer Bedeutung wird die 'Micrographia' von Robert Hooke besonders herausgehoben. Danach folgen wenige Beispiele zum Pflanzenreich.
SäugetiereJohann Christian Daniel von Schreber (1739-1810), Medizinprofessor und Direktor des Botanischen Gartens der Universität in Erlangen, gab ein umfangeiches Werk zur Säugetierkunde heraus, wobei er bemüht war, Zeichnung höchster Qualität als Vorlagen für die Kupferstecher zu erhalten. Der Titel lautet "Säugthiere in Abbildungen nach der Natur mit Beschreibungen", es erschien 1775.
Petrus Camper (1722-1789) war Professor der Medizin in Amsterdam, später in Groningen, aber auch Politiker und allgemein einer der bedeutenden Gelehrten seiner Zeit. 1791 erschien seine "Naturgeschichte des Orang Utang und einiger andern Affenarten, des afrikanischen Nashorns und des Rennthiers".
Viel älter, von 1650, ist der Band von John Jonston (1603-1675) mit dem Titel Historiae naturalis de quadrupetibus libri’. Unter den vierfüßigen Tieren werden viele Säuger beschrieben. Die Kupfertafeln stammen von Matthias Merian d. J. (1621-1687), die vielfach nach älteren Vorlagen kopiert wurden.
Vögel
Pierre Belon (um 1518-1564) zählt zu den “Vätern der Zoologie”. Sein Vogelbuch von 1555 enthält über 200 Holzschnitte. Sie sind von exzellenter Qualität sowohl in künstlerischer als auch für seine Zeit in wissenschaftlicher Hinsicht.
Francis Willughby (1635-1672) wurde auf seinen Reisen u.a. von dem bedeutenden Naturforscher John Ray (1627-1705) begleitet, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Nach Willughbys frühem Tod, gab Ray dessen Bücher heraus. Dieses Vogelbuch ist nicht nur wegen der Abbildungen bemerkenswert, sondern wissenschaftshistorisch durch seine neuartige ornithologische Systematik.
Der Verleger Johann Michael Seligmann gab ein prächtig illustriertes Werk heraus, das für das deutsche Publikum aus den Büchern der Engländer Mark Catesby (1683-1749) und George Edwards (1694-1773) zusammengestellt war.
Georges-Louis Leclerc, Graf von Buffon (1707-1788), einer der größten Gelehrten des 18. Jahrhunderts in Frankreich, hat in seinem Lebenswerk, der ‚Histoire naturelle’ das Wissen seiner Zeit zur Naturgeschichte, Geologie und Anthropologie ausgebreitet. Mit dem Anspruch weitgehender Vollständigkeit erschienen 36 Bände zu seinen Lebzeiten, davon allein 9 Bände zur Naturgeschichte der Vögel.
Amphibien
August Johann Roesel von Rosenhof (1705-1759) hat sich - wohl angeregt durch seinen Onkel, einen bekannten Maler – der Kunst verschrieben. Früchte seiner späteren Naturstudien waren zunächst ein Buch über Insekten und dann die "Historia Naturalis Ranarum Nostratium - Die natürliche Historie der Frösche hiesigen Landes" von 1758. Es enthält sehr detaillierte Beschreibungen. Die Froschabbildungen gehören – was die naturgetreue Wiedergabe betrifft - zu den besten, die jemals produziert wurden.
Fische
Konrad Gessner (1516-1565) war ein Renaissance-Humanist mit umfassender Bildung und als Schrifsteller äußerst vielseitig und produktiv. Sein zoologisches Hauptwerk ist die 'Historia animalium'. Hier ist der vierte Teil, das Fischbuch von 1558 in einem Nachdruck von 1575 zu sehen. E s enthält Holzschnitte großer künstlerischer Qualität. Die Vorlagen stammen teils von Gessner selbst, vielfach auch von anderen Naturforschern, mit denen er korrespondierte, darunter auch Pierre Belon und Guillaume Rondelet.
Das Hauptwerk von Guillaume Rondelet (1507-1566) ist sein Fischbuch. Hierin sind mehr Arten als in irgendeinem frühen Werk enthalten und es wurde für ein Jahrhundert zum Standardwerk. Er beschreibt die Fische sehr korrekt, besonders da, wo es um Mittelmeerfische der Küsten seiner südfranzösischen Heimat ging.
Francis Willughby (1635-1672) ist bereits weiter oben bei den Vögeln erwähnt worden. Wie sein Vogelbuch ist das Werk über die Fische ebenfalls erst nach seinem Tod von John Ray herausgegeben worden, der intensiv mit Willughbys Nachlaß - seinen naturhistorischen Sammlungen - arbeitete.
Weichtiere
Friedrich Heinrich Wilhelm Martini (1729-1778) erwarb sich bleibende Verdienste mit der Gründung (1773) der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin, der im Laufe der Jahre u.a. auch Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso angehörten und die noch heute existiert. Sein zwölfbändiges Conchylien-Cabinet (ab 1769) war in seinem wissenschaftlichen Anspruch seiner Zeit weit voraus und wurde zu einem Standardwerk.
Georg Eberhard Rumpf (1627-1702) aus Hanau war holländischer Unterstatthalter der Molukkeninsel Ambon. Er verbrachte einen großen Teil seiner Zeit bei der Kolonialadministration mit naturkundlichen Expeditionen und erhielt schließlich den Beinamen Plinius Indicus. In seiner Amboinschen Raritätenkammer bildete er zahlreiche tropische Pflanzen- und Tiere erstmalig ab. Nach Rumpfs früher Erblindung (1670) und seinem Tod wurde das Werk unter Mithilfe von Maria Sibylla Merian vollendet.
Georg Wolfgang Knorr (1705-1761) stammte aus Nürnberg und war hauptberuflich Maler und Kupferstecher. Einer der Höhepunkte seiner Karriere war die Illustration von Scheuchzers Physica sacra (1731). Die Vergnügen der Augen und des Gemüths waren ein in Amateurkreisen ausgesprochen beliebtes Fortsetzungswerk; den ersten Band veröffentlichte Knorr im Jahr 1757. Titel und Inhalt verdeutlichen sehr gut die damalige ästhetisierung der Zoologie, insbesondere im Bereich der farbenfrohen Mollusken.
Der Danziger Jakob Theodor Klein (1685-1759) erlangte vor allem durch seine problematische Reform der ichthyologischen Systematik Bekanntheit, die ihrerseits – unbeabsichtigt – zur weiteren Verbreitung der Linnéschen Systematik beitrug. Da Klein, der sich als Liebhaber und nicht als Wissenschaftler verstand, sich überdies weigerte, das anatomische Messer zu benutzen, ist auch seine Schaltiersystematik recht willkürlich und wissenschaftlich nicht sehr fundiert. Als Abbildungswerk jedoch ist sein Tentamen methodi ostracologicae von bleibendem Reiz.
Filippo Buonanni (1638-1725) war Jesuitenpater in Rom und Schüler Athanasius Kirchers, der in der Kontroverse um die aristotelische Urzeugungstheorie eine konservative Position einnahm. Seine Recreatio mentis et oculi (1681) ist weniger eine systematische Abhandlung als die Bestandsaufnahme und ästhetische Präsentation einer umfangreichen Schnecken- und Muschelsammlung.
Insekten
Jan Swammerdam (1637-1680) hatte Medizin in Amsterdam studiert und wirkte revolutionär vor allem in seiner Entwicklung und Anwendung neuer wissenschaftlicher Untersuchungstechniken. Er kombinierte erstmals Sektionstechnik und Mikroskopie; zudem gelangte Swammerdam zu neuartigen Erkenntnissen über die Metamorphose der Insekten, d.h. er erkannte die verschiedenen Entwicklungsstadien als unterschiedliche Manifestationen ein und des selben Organismus. Swammerdams Forschungsarbeit war religiös motiviert: für ihn war der feingliedrige Bauplan der Insekten vor allem ein mikrokosmisches Abbild der göttlichen Schöpfung.
Die Zoologin und Künstlerin Maria Sibylla Merian (1647-1717) war sicherlich eine der außergewöhnlichsten Forscherpersönlichkeiten des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Sie stellte Insekten grundsätzlich in allen Entwicklungsstufen dar, zusammen mit der als Nahrung dienenden Pflanze. 1679-1683 erschien ihr Werk Der Rupsen Begin, Voedzet en Wonderbaare Verandering über die Metamorphose der Insekten. Von 1699 bis 1701 unternahm sie in Begleitung ihrer jüngeren Tochter eine ausgedehnte Expedition in die niederländische Kolonie Surinam, im Norden Südamerikas. Ein beeindruckendes Zeugnis dieser Reise legte Merian 1705 in Form der Metamorphosis insectorum surinamensium ab, das in einer Auflage von nur 60 Exemplaren erschien und fraglos zu den schönsten und künstlerisch gelungensten Zoologiebüchern der Neuzeit zählt.
Der wohlhabende Niederländer Kaufmann Pieter Cramer (1721-1776) handelte hauptberuflich mit spanischer Wolle und war daneben passionierter Schmetterlingssammler. Seine Ikonographie der exotischen Schmetterlinge Asiens, Afrikas und Amerikas (1779ff) ist nicht nur eine der am schönsten kolorierten entomologischen Darstellungen der Zeit, sondern auch die erste, die auf dem Linnéschen System basiert.
Johann Andreas Benignus Bergstraesser (1732-1812), Schuldirektor in Hanau, beschäftigte sich neben Telegraphie und Mathematik auch mit der Entomologie. Er schrieb nicht nur ein Buch über "Signal-Order und Zielschreiberei" und ein Algebra-Lehrwerk, sondern auch eine Studie über die Insektenwelt seiner Heimat. Sein Werk ist repräsentativ für das gestiegene Interesse an Insekten – insbesondere mit lokalem Bezug – innerhalb der populärwissenschaftlichen Welt des späteren 18. Jahrhunderts.
Ulisse Aldrovandi (1522-1605) aus Bologna war der wohl bedeutendsten Naturforscher der italienischen Spätrenaissance. Er schuf grundlegende Werke über alle Tierklassen, darunter auch das damalige Standardwerk über Entomologie. Aldrovandi begann zunächst als Jurist, bevor er sich der Philosophie, der Mathematik und schließlich ab 1550 den Naturwissenschaften zuwandte. Seine Illustrationen sind grobschematische Holzschnitte ohne allzu große Detailtreue – die Alternative Kupferstich gab es noch nicht – aber mit einem hohen Grad wissenschaftlicher Exaktheit.
Johann Heinrich Sulzer (1735-1814) aus Winterthur in der Schweiz war einer der ersten Zoologen, der bei seiner monografischen Beschreibung der Insekten das Linnésche Klassifikations- und Benennungssystem anwendete und versuchte, ihre Lebensweisen geschlossen darzustellen. In der Verwendung des Linnéschen Systems unterschied er sich grundlegend von A. J. Roesel von Rosenhof, der nur ein kompliziertes deutsches Benennungssystem verwendete und deswegen in der internationalen Fachliteratur kaum Beachtung fand.
Jakob Christian Schäffer (1718-1790), Doktor der Theologie und Philosophie aus Regensburg, war einer der prototypischen Universalgelehrten der Aufklärung. Er stand in engem Schriftverkehr mit Linné und Réaumur und veröffentlichte Werke in nahezu allen Bereichen des Tier- und Pflanzenreichs. So sind etwa seine Arbeiten über Vögel, Insekten und Pilze von bleibendem Wert. Obwohl auch Schäffer Amateur war, sind seine Beschreibungen und Darstellungen, für die er einige der namhaftesten Illustratoren seiner Zeit engagierte, morphologisch sehr genau.
Spinnentiere
Eleazar Albin (1713-1759) aus London war eigentlich ein Pionier der Vogelbuchillustration. Er war ursprünglich Zeichenlehrer in London und kam eher durch Zufall zur Zoologie. Seine Natural History of English Insects (1720) gilt neben dem Aurelian (1773) von Moses Harris als das bedeutendste Werk der englischen Entomologie im 18. Jahrhundert.
Niedere Tiere
Otto Friedrich Müller (1730-1784) war der bekannteste und einflussreichste dänische Zoologe des 18. Jahrhunderts. Er machte sich vor allem auf dem Gebiet der Schneckenforschung einen Namen. Müllers berühmte Vermium terrestrium et fluviatilium [...] succincta historia (1771) leistete Grundlegendes nicht nur bei der Erforschung von Schnecken und Würmern, sondern ist auch dadurch bemerkenswert, dass sie einen der ersten Versuche zur Klassifizierung und Beschreibung von Mikroorganismen enthält.
Abraham Trembley (1710-1784) war in erster Linie Pionier auf dem Gebiet der Süßwasserpolypenforschung. Ab 1757 lebte er als Privatgelehrter in Genf, wurde 1760 Direktor der Stadtbibliothek und später Mitglied des Großen Rates der Stadt. Ungeachtet ihres Chlorophyllgehaltes erkannte Trembley die "grüne Hydra" 1741 als Tier – noch Leeuwenhoek hatte sie dem Pflanzenreich zugerechnet. Außerdem gelangte zu grundlegenden Ergebnissen über ihre Lebensweise und Regeneration.
Robert Hooke: Micrographia
Das Hauptwerk von Robert Hooke (1635-1702) ist die ‚Micrographia’ von 1665. Der Einfluß, der von diesem Buch auf seine Zeitgenossen ausging ist enorm. Nicht nur Laien staunten über die beindruckenden Abbildungen aus einer bislang unsichtbaren Welt. Das Mikroskop – nicht von Hooke erfunden, aber deutlich verbessert – konnte die Erkenntnisse vieler Wissenschaftszweige in ungeahntem Ausmaß befördern. Er sah auch beim Kork als erster die Wände einer Zelle, die er "little boxes or cells" nennt. Auch wenn ihm die physiologische Bedeutung dieser Grundeinheit allen Lebens verborgen blieb, geht die Verwendung des Wortes Zelle in der Biologie direkt auf ihn zurück.
Pflanzenreich
Der Apotheker Johann Wilhelm Weinmann (1683-1741) war der Organisator einer vom Umfang her höchst ambitionierten Edition zu Garten- Nutz- und Heilpflanzen. Sein Herbar umfaßte 1722 über 9000 Pflanzenarten. Diese Sammlung war dann auch Grundlage der „Phytanthoza Iconographia“. Dieses Werk enthält über tausend kolorierte Abbildungen. Diese wurden von Kupferstichen farbig gedruckt, es sind die ersten botanischen Farbdrucke überhaupt.
Lorenz Heister (1683-1758) gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie in Deutschland, war aber neben Arztberuf und Professur in Helmstedt auch auf botanischem Gebiet tätig. So betreute er als Direktor den botanischen Garten in Helmstedt. Zu Ehren von Carl I., Herzog von Braunschweig und Lüneburg, gab er einer südafrikanischen Pflanzengattung aus der Familie der Amaryllisgewächse, die er 1753 erstmals beschrieb, den Namen Brunsvigia.