[Ansicht UB Braunschweig]
Robert Otto - Braunschweiger Chemiker und Pharmazeut

 

Ausstellung zum 100. Todestag von Robert Otto

18.8.1837 – 14.2.1907


Die Ausstellung ist während der allgemeinen Öffnungszeiten der Bibliothek zu  besichtigen

 

Robert Friedrich Wilhelm Otto wurde in Braunschweig geboren. Sein Vater, der Apotheker Friedrich Julius Otto (1809-1870), war zwei Jahre zuvor außerordentlicher Professor für angewandte Chemie am Collegium Carolinum geworden. Und sein Sohn wird beruflich mehrfach in seine Fußstapfen treten: Zunächst wurde auch Robert Otto, nach Besuch des Martino-Katharineums bis zur 3. Klasse des Obergymnasiums, ab 1852 in der Apotheke in Wolfenbüttel ausgebildet. Darauf besuchte er das Collegium Carolinum, holte das Abitur nach und studierte  in Braunschweig, Göttingen und Greifswald Pharmazie, Naturwissenschaften und Chemie.

Nach seiner Promotion 1862 habilitiert er sich bereits ein Jahr später in Greifswald für Chemie und Pharmazie und übernahm dort eine Assistentenstelle. 1870 wurde er als Nachfolger seines Vaters auf den Lehrstuhl für allgemeine Chemie und Pharmazie an das Braunschweigische Polytechnikum berufen. Gleichzeitig übernahm er ebenfalls von seinem Vater das Ressort für Apothekenangelegenheiten beim Obersanitäts-Kollegium. Dort war er zunächst als Medizinalassessor eingestellt, 1880 wurde er zum Medizinalrat ernannt, 1983 zum Geheimen Hofrat und 1894 zum Geheimen Medizinalrat.

1872-1877 war Otto Vorstand der Fachschule für Pharmazie und später, nunmehr an der Technischen Hochschule Carolo-Wilhelmina, Vorstand der Abteilung für Pharmazie in den Amtsperioden 1881-1885 sowie 1891-1895. Auch zählte er 1890 zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft. Nachdem er im Wintersemester 1898/99 keine Vorlesungen mehr halten konnte wurde er wegen seiner angegriffenen Gesundheit 1899 auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt.

Bei seiner wissenschaftlichen Arbeit wandte er sich Otto vor allem Problemen der Organischen Chemie zu. Besonders die Substanzklasse der Sulfone hat er ausgiebig erforscht. Bemerkenswert sind auch seine frühen Synthesen organischer Quecksilberpräparate. Er war literarisch außerordentlich produktiv. Seine zahlreichen Zeitschriftenbeiträge erschienen in den ‚Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft’, in ‚Liebigs Annalen der Chemie’, im ‚Archiv der Pharmazie’, im ‚Journal für praktische Chemie’ u.a.m. Die Zahl seiner Arbeiten wird in den einschlägigen Biographien mit „über 100“ deutlich zu niedrig angegeben: 220 ist mindestens anzusetzen.

Darüber hinaus war er auch an monographischen Werken beteiligt: Seit 1865 arbeitete er an der dritten Auflage der „Anleitung zur Ausmittelung der Gifte“ mit, ein erfolgreiches, vom Vater erstmals 1856 herausgegebenes Werk, das insgesamt sieben Auflagen bis 1896 erlebte. Weiterhin vollendete er den anorganischen Teil der vierten Auflage des „Graham-Otto“. Unter dieser Kurzbezeichnung  war den Chemikern seiner Zeit das sehr erfolgreiche „Ausführliche Lehrbuch der Chemie“ aus dem Vieweg-Verlag in Braunschweig geläufig. Sein Vater hat es von 1840 an im deutschsprachigen Raum durch die Übersetzung und Neubearbeitung von Thomas Grahams „Elements of Chemistryetabliert. Zudem verfaßte er Beiträge für das „Neue Handwörterbuch der Chemie“, das redaktionell von Hermann von Fehling betreut wurde und ebenfalls im Vieweg-Verlag erschien sowie für Muspratts „Lehrbuch der technischen Chemie“.

In seiner Amtszeit gelang es ihm, die Arbeits- und Studienbedingungen in den von ihm betreuten Fächern bedeutend zu verbessern. Dies betraf vor allem den Neubau der Technischen Hochschule. Mit dem Braunschweiger Architekturprofessor Karl Körner (1838-1907), der für den Entwurf der chemischen Laboratorien verantwortlich war, verband ihn eine langjährige Freundschaft. Ottos fachliche Ratschläge wurden umgesetzt und die Pläne trugen den praktischen Bedürfnissen Rechnung.

Die Leistungen Robert Ottos in der Forschung und in administrativen Tätigkeiten lassen sich nicht angemessen würdigen, ohne seinen Gesundheitszustand nach 1876 zu berücksichtigen. In diesem Jahr wurde durch einen Labordiener ein lebensgefährlicher Anschlag auf seine Person ausgeübt und der Schwerverwundete entging nur knapp dem Tod. Er erholte sich zwar langsam wieder, nahm die beruflichen Verpflichtungen wieder auf, litt aber in der Folgezeit unter erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Somit verdient das bedeutende Arbeitspensum, dass er auch nach seinem 39. Lebensjahr auf sich nahm, besonderen Respekt.

Schüler Robert Ottos haben seine Verdienste in besonderer Weise geehrt. Sie stifteten 1898 zu seinem Andenken eine Portraitbüste für den Hörsaal für Pharmazeutische Chemie, die der Bildhauer Ernst Müller (1860-1928) in Gips ausführte. Zwar hat die Büste die Zeiten nicht überdauert, wahrscheinlich ging sie – ebenso wie die seines Vaters – bei in der Zerstörung des Gebäudes im zweiten Weltkrieg verloren, doch es findet sich eine Abbildung im Werkverzeichnis des Künstlers.

Literatur:
(Bohlmann, Robert): Robert Otto. Braunschweigisches Magazin, NF 14. 1908 (2), S. 15-16.

Robert Friedrich Wilhelm Otto. In: Deutsche Apotheker-Biographie / hrsg. von Wolfgang-Hagen Hein... Erg.-Bd. 2. - Stuttgart : Wiss. Verl.-Ges., 1997. (Veröffentlichungen der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie e.V. ; 60). S. 227.

Pohl, Ursula: Friedrich Julius Otto (1809 - 1870) : Pharmazeut, Chemiker, Technologe, Gesundheitsbeamter und das Collegium Carolinum in Braunschweig. - Stuttgart : Dt. Apotheker-Verl., 1998 (Braunschweiger Veröffentlichungen zur Geschichte der Pharmazie und der Naturwissenschaften ; 40).

Ruhnau, Frank: Die Entwicklung der Pharmazie und der Chemie im Kaiserreich. In: Technische Universität Braunschweig. Vom Collegium Carolinum zur Technischen Universität. 1745-1995. Hildesheim: Olms (1995) S. 277-298.

 

 


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13. 03. 2007
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