Rolf Rettich - Kinderbücher in der Universitätsbibliothek Braunschweig
Rolf Rettich 1929 - 2009
Kinderbücher in der
Universitätsbibliothek Braunschweig
28.4. bis
31.7.2010
verlängert bis 19. August 2010
Lesung am 10. Juni 2010; 17:30 Uhr in der UB
Margret Rettich liest aus dem Buch "Großelternkind" ihres verstorbenen Mannes
sowie aus Briefen und anderen Werken.
Die Ausstellung ist während der allgemeinen Öffnungszeiten zu besichtigen.
Die Ausstellung ist Rolf Rettich gewidmet, der am 25. Oktober 2009 vier Monate nach seinem 80. Geburtstag verstarb.
Weitere Veranstaltung:
10. Juni 2010, 17:30 Uhr: Margret Rettich liest Rolf Rettich (Universitätsbibliothek Braunschweig)
Biographie
Rolf Rettich wurde am 9. Juni 1929 in Erfurt geboren. Er wuchs bei seinen Großeltern auf, denen er mit seinem Buch "Großelternkind" 1987 ein Denkmal setzte.
1940 zog Rolf Rettich mit seiner Familie nach Baden-Württemberg und besuchte dann ein Gymnasiums im Elsass, wo er die Vermessungskunde lernen musste, was er
aber ohne große Begeisterung über sich ergehen ließ.
Nach Kriegsende konnte Rolf Rettich bei einem Onkel in dessen kleiner Stempelfabrik in Mannheim gelegentlich
arbeiten und so seinen Lebensunterhalt verdienen. Für ihn stand fest, dass kein Beruf mit mathematischer Grundlage in Frage kam, sein künstlerisches Talent war
hingegen sehr ausgeprägt. Möglicherweise hatte ihm das sein Großvater vererbt, der in Erfurt ein Malergeschäft führte, aber selbst gern malte, am liebsten Blumenstücke.
Rolf Rettich verehrte seine Großeltern, bei denen er seine Kindheit verbracht hatte, sehr. Auch während seiner Zeit in Karlsruhe und Mannheim in den 1950er Jahren
besuchte er sie sehr häufig in Erfurt, Wanderer zwischen West und Ost. Die Großeltern lebten nun nicht mehr in der Wohnung seiner Kindheit, von der Rolf Rettich wusste,
dass eine Architektenfamilie aus Stettin hier eingezogen war.
Eines Tages wollte er das Zimmer seiner Geburt wiedersehen und klingelte bei Familie Müller. Sein Zimmer bewohnte mittlerweile die Tochter Margret, eine diplomierte
Gebrauchsgrafikerin, mit der ihn gleich eine tiefe Seelenverwandtschaft verband.
Durch sie erhielt er die Gelegenheit, für die Leipziger Messe Plakate zu malen, eine gute Verdienstmöglichkeit.
1958 kauften Rolf Rettich und Margret Müller ein Haus in Leipzig, renovierten es, richteten ein gemeinsames Atelier ein - und heirateten. Schon
1960 übersiedelten sie in den Westen und wagten einen Neuanfang in Braunschweig, der sich zunächst sehr schwer gestaltete. Bis Rolf Rettich 1961
nach Hamburg aufbrach, um im Alfred Hahn‘s Verlag, bekannt durch die Häschenschule, vorstellig zu werden. Er wurde jedoch zum Verlag Friedrich Oetinger,
der 1949 die deutsche Übersetzung von Pippi Langstrumpf veröffentlicht hatte, weitergeschickt. Überraschenderweise bat Friedrich Oetinger ihn um Entwürfe für "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen"
von James Krüss. 170 Zeichnungen schickte er schon kurz darauf nach Hamburg, viel zu viele, aber mit Erfolg: Das erste Buch mit Rolf Rettichs Illustrationen erschien im selben Jahr!
Viele weitere folgten, er illustrierte u. a. Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf, Michael Endes Jim Knopf, Gudrun Pausewangs Räuber Grapsch sowie Christine Nöstlinger und Enid Blyton, insgesamt sind
es rund 280 Bücher, 70 allein von James Krüss!
1983 wurden die "Kleinen Märchen" von Margret mit Illustrationen von Rolf Rettich zu einem der Schönsten Bücher des Jahres gekürt. 1996 wurden "Singen und Spielen: Musizierbuch für die Grundschule"
mit Illustrationen Rolf Rettichs und 2002 das "Haus voller Musik" (Text Margret, Bilder Rolf Rettich) mit dem Deutschen Musikeditionspreis BEST EDITION ausgezeichnet. 1997 ist das Ehepaar Rettich
für ihr Gesamtwerk mit dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V. Volkach ausgezeichnet worden.
Am 25. Oktober 2009 verstarb Rolf Rettich nach schwerer Krankheit.
Auszeichnungen
 |
| 1983: |
Die Schönsten Bücher
- Stiftung Buchkunst -
Kleine Märchen
Text Margret Rettich, Illustrationen Rolf Rettich
|
| 1991: |
Ehrenpreis im Internationalen Bilderbuchwettbewerb
Der Kleine Bär
Text Margret Rettich, Illustrationen Rolf Rettich
|
| 1996: |
Deutscher Musikeditionspreis
- Deutscher Musikverleger-Verband -
Musizierliederbuch
Illustrationen Rolf Rettich
|
| 1997: |
Großer Preis
- Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V. -
Gesamtwerk von Rolf und Margret Rettich
|
| 2002: |
Deutscher Musikeditionspreis
- Deutscher Musikverleger-Verband -
Ein Haus voll Musik
Text Margret Rettich, Illustrationen Rolf Rettich
|
Rolf Rettich und Margret Rettich
Rolf und Margret Rettich waren sich auf den ersten Blick bewußt, dass sie viel mehr verbindet als die Liebe zur Zeichnung und zum Erzählen, auch wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick gewesen sein soll. Ihre Zusammenarbeit begann schon vor ihrer Ehe, währte aber bis Rolf Rettich krankheitsbedingt nicht mehr zeichnen konnte. Anfangs gestalteten sie zahlreiche Bücher gemeinsam. Später fasste Margret Rettich in Worte, was Rolf Rettich in Zeichnungen darstellte. So war es auch bei ihren Lesungen: Sie las, er zeichnete. Dabei entstanden neue Illustrationen, die man nicht in den entsprechenden Büchern findet (s. a. die Stellwände im 1. und 2. OG der UB mit Zeichnungen einer Lesung am TU-Day 2004).
Es war ein kongeniales Paar, das sich menschlich und künstlerisch ergänzte. Rolf Rettich kam dabei der Part des Fantastischen, Aufgeregten, Unruhigen zu, der jedem mit Charme und Aufmerksam begegnete und so viel Freunde gewann.
Rolf Rettich und James Krüss
Mit den Hummerklippen fing alles an: eine lange, intensive und sehr fruchtbare Zusammenarbeit zwischen James Krüss und Rolf Rettich ging einher mit der Freundschaft zwischen dem Helgoländer und dem Rettich-Paar, wovon auch die ausgestellten Briefe zeugen.
James Krüss wurde am 31. Mai 1926 auf Helgoland geboren und verbrachte auf der Nordseeinsel auch seine Kindheit. Im 2. Weltkrieg begann für die Familie ein Odyssee, die sie nach Thüringen und Sachsen führte. Krüss begann 1942 eine Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein, die er 1944 an der damaligen Bernhard-Rust-Hochschule in Braunschweig fortsetzte, aber durch einen freiwilligen Luftwaffeneinsatz im selben Jahr abbrach.
Bereits 1946 veröffentlichte Krüss sein erstes Buch, schloss auch 1948 seine Ausbildung zum Volksschullehrer in Lüneburg ab, doch seine schriftstellerische Arbeit machte eine Ausübung des Lehrerberufes nie notwendig.
Schlagartig bekannt machte Krüss eine Lesung aus "Mein Großvater und ich" in der Tagesschau 1960. Sein populärstes Werk "Timm Thaler" erschien 1962, ein Jahr nach dem Erscheinen der "Hummerklippen" mit den Illustrationen von Rolf Rettich.
Als James Krüss am 2. August 1997 auf Gran Canaria starb, hinterließ er mehr als 700 Kinderbücher incl. Übersetzungen, die heute im James-Krüss-Turm auf Schloss Blutenburg augestellt sind, seit 1983 Sitz der Internationalen Jugendbibliothek.
Rolf Rettich und Astrid Lindgren
1964 illustrierte Rolf Rettich erstmals ein Buch von Astrid Lindgren: „Michel aus der Suppenschüssel“. Bereits 1949 hatte Friedrich Oetinger „Pippi Langstrumpf“ auf dem deutschen Markt veröffentlicht, 1967 gab Rolf Rettich der deutschen Pippi das bis heute bekannte Gesicht.
Astrid Lindgren wurde am 14. November 1907 auf Näs bei Vimmerby in Schweden geboren. Sie durfte wegen ihrer Begabung auf eine weiterführende Schule, die sie 1923 abschloss. Als Haustochter erlernte sie dann die Haushaltsführung und bekam schließlich das Angebot als Volontärin einer Zeitung in Vimmerby zu arbeiten. Bereits 1926 wurde sie vom Chefredakteur und Eigentümer der Zeitung schwanger, zog nach Stockholm und begann eine Ausbildung zur Sekretärin, um allein für sich selbst und das Kind zu sorgen, das sie allerdings bis 1929 zu Pflegeeltern nach Kopenhagen geben musste. Bald darauf heiratete sie Sture Lindgren. Tochter Karin wurde 1934 geboren. Sie dachte sich 1941 den Namen Pippi Langstrumpf aus, woraufhin Mutter Astrid ihr das sich daraus entwickelnde Manuskript zum Geburtstag schenkte. Drei Jahre später scheiterte „Pippi“ beim Verlag; erst eine überarbeitete Fassung im folgenden Jahr wurde angenommen. Drei Bände umfasst die Pippi-Reihe, sie wurde in 50 Sprachen übersetzt.
Die Bücher von Astrid Lindgren wurden allein in Deutschland über 20 Millionen Mal verkauft.
Astrid Lindgren starb am 28. Januar 2002 in Stockholm.
Rolf Rettich und Dimitar Inkiow
Für den bulgarischen Kinderbuchautor stattete Rettich verschiedene Sachbücher aus, die die Entwicklung uns heute selbstverständlicher Gegenstände wie Geld oder Bücher darstellen.
Inkiow wurde am 10. Oktober 1932 in Chaskowo geboren und wurde zum Bergbau-Ingenieur ausgebildet, dem sich ein Studium an der Akademie in Sofie anschloss, das er als diplomierter Regisseur beendete. Er begann mit der Verfassung von Theaterstücken, womit er schließlich in politische Ungnade fiel, so dass er sein Heimatland verlassen musste. Als politischer Flüchtling ließ er sich in Deutschland nieder, wo er u. a. für Radio freies Europa arbeitete. Inkiow schrieb über 100 Kinderbücher, die in 25 Sprachen übersetzt wurden. Ab 2001 wandte er sich den Sagen Griechenlands zu und einer Version der Ilias für Kinder.
Inkiow verstarb am 24. September 2006.
Rolf Rettich und...
...Michael Ende (12.11.1929-28.8.1995). Nach dem Schulabschluss in Stuttgart besuchte Ende bis 1950 die Münchner Schauspielschule und arbeitete bis 1953 an verschiedenen Theatern, danach machte er politische Kabarett und war als Filmkritiker im Bayerischen Rundfunk tätig. "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" wurde von 12 Verlagen abgelehnt, bis es 1960 bei Thienemann erschien, bis heute mit bleibendem Erfolg.
...Lise Gast (2.1.1908-26.9.1988). Die ausgebildete landwirtschaftliche Lehrerin heiratete 1933 Georg Richter, mit dem sie 8 Kinder hatte. Schon 1936 erschien ihr erstes Buch (Tapfere junge Susanne), 1939 ihr erfolgreichstes Werk "Junge Mutter Randi". Nach dem Krieg und dem Tod ihres Mannes in Kriegsgefangenschaft übersiedelte Lise Gast nach Lorch. Der von ihr bewirtschaftete Ponyhof ist Thema vieler ihrer etwa 120 Bücher.
...Max Kruse (geb. 19.11.1921). Sohn des Bildhauers Max und der Puppenkünstlerin Käthe Kruse, deren Puppenfabrik er in der Bundesrepublik nach deren Enteignung in der DDR wieder aufbaute. Danach arbeitete er als Werbetexter und freier Schriftsteller. Unvergessen sind seine von der Augsburger Puppenkiste aufgeführten Bücher wie "er Löwe ist los" oder das "Urmel aus dem Eis".
...Otfried Preußler (geb. 20.10.1923). Der in Prag geborene Preußler kam nach der Kriegsgefangenschaft nach Bayern, arbeitete als Lehrer in Rosenheim und im Nebenberuf als Schriftsteller. Sein erstes Buch "Der kleine Wassermann" erschien 1956. Bis heute wurden seine 32 Bücher in mehr als 15 Mio. Exemplaren verlegt.
...Christine Nöstlinger (geb. 13.10.1936). Die Wienerin studierte Gebrauchsgrafik an der Akademie für Angewandte Kunst in ihrer Heimatstadt. "Die feuerrote Friederike" von 1970 ist ihr erstes Kinderbuch. Bis heute schrieb sie mehr als 100 Bücher, in denen sie sich vornehmlich mit kindlichen Bedürfnissen beschäftigt, aber auch nicht vor der Thematisierung von Familienproblemen zurückschreckt.
...Mark Twain (30.11.1835-21.4.1910). Der amerikanische Schriftsteller wurde mit dem 1876 erschienen Roman "The Adventures of Tom Sawyer" und den "Adventures of Huckleberry Finn" (1884) berühmt. In seinen Werken verarbeitete er die eigenen Kindheitserlebnisse.
...Charles Dickens (7.2.1812-9.6.1870). Die bitteren Erfahrungen seiner eigenen Kindheit bildeten die Grundlage für seine Werke. Bekannt wurde Dickens durch die "Pickwick Papers", die von 1836-37 erschienen, während er als Journalist beim Morning Chronicle arbeitete. "Oliver Twist" erschien 1837.
...Carlo Collodi (24.2.1826-26.10.1890). Der italienische Schriftsteller war als Journalist und als Präfekturangestellter tätig. Berühmt wurde er erst nach seinem Tode, als die "Abenteuer des Pinocchio" auch von der Fachöffentlichkeit anerkannt wurden.
...Erich Kästner (23.2.1899-29.7.1974). Der promovierte Historiker und Germanist arbeitete als Journalist, textete für das Kabarett, schrieb Gedichte, zeichnete und verfasste 1929 "Emil und die Detektive", das über zwei Mio. Mal verkauft und in 59 Sprachen übersetzt wurde.
...Paul Maar (geb. 13.12.1937). Da er für seine Kinder keine guten Kinderbücher fand, schrieb Maar 1968 den "Tätowierten Hund". Ab 1980 erschienen die Sams-Bücher. Sein erstes Theaterstück "Der König in der Kiste" schrieb er 1971.
...Klaus Kordon (geb. 21.9.1943). Vier Jahre nach seinem Übergang in den Westen erschien sein erstes Buch. Viele seiner eigenen Erfahrungen, auch die in der Haft des Ministeriums für Staatsicherheit, verarbeitet Kordon in seinen Büchern.
...Christian Morgenstern (6.5.1871-31.3.1914). Bekannt wurde der seit 1894 als freier Schriftsteller arbeitende Morgenstern durch seine Sprachgroteken. Nietzsche, der Buddhismus und Rudolf Steiner waren sehr einflußreich für sein Werk.
...Joachim Ringelnatz (7.8.1883-17.11.1934). Die berühmteste Figur des Schriftstellers, Kabarettisten und Malers ist Kuttel Daddeldu. Er selbst hatte Seemann werden wollen, trat aber seit 1909 im Münchner Simplicissimus auf. In der gleichnamigen Zeitschrift sowie in der Jugend veröffentlichte er Gedichte, Essays und Novellen. Nach 1945 erfuhr sein Werk zunehmend Anerkennung.
...Wolfgang EckeWolfgang Ecke wurde am 24. November 1927 in Radebeul geboren. 1940 lernte er in einem militärischen Internat neben dem Marschieren auch verschiedene Musikinstrumente und besuchte nach 1945 die Hochschule für Musik und Theater in Dresden, die er aber aus politischen Gründen verlassen musste. Er ging daraufhin in den Westen, wo er 1955 sein erstes von insgesamt 600 Hörspielen verfasste. Die Spannung seiner Stücke basierte auf zu lösende Denksportaufgaben, nicht auf Brutalität. Der Mitarbeiter bei 16 europäischen Rundfunksendern starb am 24. Oktober 1983, als er mit dem Auto einer Kuh auswich.
...Gudrun PausewangGudrun Pausewang kam am 3. März 1928 in Oberböhmen zur Welt und floh mit ihrer Familie nach Kriegsende nach Wiesbaden, wo sie 1948 ihr Abitur ablegte. Nach dem Studium arbeitete sie in Deutschland und Südamerika als Lehrerin. Nach ihrer Pensionierung 1989 wurde sie 1998 mit einer germanistischen Arbeit promoviert. Ihre bisher 89 veröffentlichten Bücher beschäftigen sich in erster Linie mit Themen des Umweltschutzes und des Friedens. Im vergangenen Jahr erhielt Pausewang den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V. in Volkach.
...Enid BlytonEnid Blyton wurde am 11. August 1897 in Dulwich bei London geboren. Bereits als Kind fiel sie durch ihre außerordentliche Merkfähigkeit auf. Viele Personen, Orte und sogar selbst erlebte Streiche flossen später in ihre schriftstellerische Arbeit ein. Mit 25 Jahren veröffentlichte sie ihr erstes Buch ("Child Whispers"), dem mehr als 750 weitere folgen sollten. Sie ist mit mehr als 600 Mio. verkauften Büchern in über 100 Sprachen weltweit eine der kommerziell erfolgreichsten Jugendbuchautorinnen. Seit 1950 wurden ihre Bücher auch in Deutschland veröffentlicht und wie "Hanni und Nanni" oder die "Abenteuer"-Serie von den Jugendlichen verschlungen. Sie starb am 28. November 1968, wodurch ihr das weitere Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung erspart blieb.
...Gerhart West alias Jerry West. Er lebte von 1910 bis1975 unter seinem bürgerlichen Namen Andrew E. Svenson in New Jersey, USA. Nach einem Literaturstudium begann er als Journalist zu arbeiten, bevor er 1948 als Ghostwriter zum Stratemeyer Syndicate wechselte. Seine 33-bändige Happy-Hollisters-Serie kam in Deutschland als die Lustigen Falkenbergs auf den Buchmarkt - von vielen Lesern wurde nicht bemerkt, dass es sich um keine deutsche Familie handelte, was das Pseudonym Gerhart West unterstützte.
...Clive Staples LewisClive Staples Lewis kam am 29. November 1898 in Belfast als Sohn eines Anwalts und einer Mathematikerin zur Welt. Seine Mutter starb, als Lewis 9 Jahre alt war. Nach der Kriegsteilnahme studierte er in Oxford, wo er im Anschluss Philosophie lehrte. 1925 erhielt er ein Fellowship für englische Sprache. In dieser Zeit bildete sich eine enge Freundschaft zu J.R.R. Tolkien, die allerdings später zerbrach. In Cambridge wurde Lewis später der Lehrstuhl für Literatur des Mittelalters und der Renaissance übertragen. Ursprünglich Atheist fand Lewis während seiner Freundschaft mit Tolkien zum Christentum. Nur so sind auch die Narnia-Chroniken zu verstehen, die zwischen 1950 und 1956 erschienen.
...das Fernsehen. Schon früh hatte Rolf Rettich Kontakt zum deutschen Fernsehen bekommen. Zahlreiche Zeichnungen für die Sendung mit der Maus entstanden, die er zusammen mit seiner Frau Margret schuf. Daneben illustrierte er das Sandmännchen oder auch Geschichten über den Hasen Cäsar, der im Fernsehen eine eigene Sendung mit Peter René Körner besaß; die Handpuppe zeigte als früher DJ seinen Mut und intonierte in schiefen Tönen: Ich bin Cäsar, der mutige Hase, ich bin Cäsar, der Mutige - bitte schööööön...und ab ging es mit dem Abenteuer!
...die Schulbücher. Zusammen mit seiner Frau Margret stattete Rolf Rettich seit den 1960er Jahren Schulbücher mit Zeichnungen aus. Die ersten waren an Vorschulkinder gerichtet, es folgten Lehrbücher der Mathematik und der Sprache für die Grundschule.
Angefangen hatten die beiden bei dem in Braunschweig ansässigen Verlag Westermann, doch folgten schon bald weitere Schulbuchverlage nach wie der Verlag Schroedel aus Hannover, für die Margret und Rolf Rettich Titel illustrierten, die den Kindern Lesen und Rechnen spielerisch nahe bringen wollten.
Auch Rolf Rettichs Wimmelbilder haben einen pädagogischen Hintergrund.
...der Verlag Friedrich Oetinger GmbH, Hamburg:
Seit der Begegnung mit Friedrich Oetinger im Jahre 1961 verband Rolf Rettich und seine Frau eine enge Freundschaft mit Verlag und Familie, die bis heute währt. Heidi Oetinger war trotz ihres hohen Alters zur Ausstellungseröffnung 1999 nach Braunschweig gekommen, sie verstarb 20 Tage vor Rolf Rettich mit fast 91 Jahren.
Neben den freundschaftlichen Beziehungen bestand über nahezu 50 Jahre auch eine geschäftliche, die sich in unzähligen Büchern manifestiert, die Rolf Rettich - und Margret Rettich - für den Verlag illustrierte.
Der Oetinger-Verlag wurde 1946 gegründet. Mit der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung des schwedischen Manuskripts von Astrid Lindgrens "Pippi Langstrumpf" setzte sich der Verlag 1949 an die Spitze deutscher Kinderbuchverlage. Heute hat der Verlag über 900 lieferbare Titel im Angebot, wozu auch Lernhilfen, Beschäftigungshefte, Sachbücher sowie Non-Book-Produkte gehören. Er wird in dritter Generation als Familienunternehmen geführt und bildet mit Dressler, Ellermann, Klopp und Oetinger die Verlagsgruppe Oetinger. Zu seinen Autoren zählen neben Astrid Lindgren und James Krüss viele bekannte Namen: Paul Maar, Christine Nöstlinger und Kirsten Boie. Neben Pippi treibt in den Oetinger-Büchern auch das Sams seine Streiche, Petterson und Findus erleben hier ihre Abenteuer und die kleine Hexe sorgt seit vielen Jahrzehnten für Spannung im Kinderzimmer.
...die Riesen, Räuber und Detektive:
Riesen treten immer wieder in den Zeichnungen von Rolf Rettich auf, angefangen beim Scheinriesen in Michael Endes "Jim Knopf". Sie gehören untrennbar zur Welt der Fantasie, der Rolf Rettich mit Stift und Feder immer wieder Ausdruck verlieh, dabei immer auch selbst ein wenig Kind bleibend.
Bekanntestes Beispiel für die Räuber ist Gudrun Pausewangs Grapsch, der seine Gestalt von Rolf Rettich erhielt.
Wo Räuber sind, gibt es auch Detektive. Für Wolfgang Eckes Club der Detektive zeichnete Rettich immer wieder Species dieses Berufs. Für die "Berühmtesten Detektive der Welt", das als Ravensburger Taschenbuch erschien, porträtierte er bekannte Spürnasen, die die Rückseite des Bändchens schmücken.
Rolf Rettich und die Geschichte
Kindern Geschichte nahe zu bringen, war schon immer ein Thema von Kinderbüchern. Allerdings geschah dies lange auf recht unkindliche Weise und ging oft mit Indoktrination einher.
In den Geschichtsbüchern, die Rolf Rettich illustrierte, geht es um die frühe Vergangenheit, die ganze Epochen umschließt, wie auch um Themen wie die, die Dimitar Inkiow in seinen Werken behandelt.
Für Brigitte Hamann zeichnete Rolf Rettich Szenen und Figuren für das kindgerechte Porträt der österreichischen Kaiserin Maria Theresia. Das Buch wurde in unterschiedlichen Ausgaben verlegt.
Brigitte Hamann (geb. 26.7.1940) studierte Geschichte und Germanistik. Bis 1965 arbeitete sie als Redakteurin einer großen deutschen Tageszeitung. Sie schrieb zahlreiche Biographien historischer Persönlichkeiten Österreichs, darunter "Hitlers Wien", das sie 1996 nach akribischer Recherche auch neuer Quellen veröffentlichte.
Rolf Rettich in Übersetzungen
In der Rettich-Sammlung der Universitätsbibliothek befinden sich ca. 20 übersetzte Werke von Rolf Rettich.
Am schönsten und eindrucksvollsten ist dabei sicher das "Schnurpsenbuch" auf Japanisch, da hier Buchstaben und Zeichnungen eine noch intensivere Beziehung einzugehen scheinen als im deutschen Original.
Spitzenreiter mit 5 Titeln ist die französische Sprache. Weitere Übersetzungen stammen aus Dänemark (4 Titel), Großbritannien (3 Titel), den Niederlanden (3 Titel) und Griechenland, Polen, Tschechien und Schweden (jeweils 1 Titel).
Meist sind die Zeichnungen von Rolf Rettich, die ja keiner Worte bedürfen, übernommen, hin und wieder wurde jedoch eine andere Illustration für den Einband gewählt, die aber auch häufig von ihm selbst stammt.
[i] zuletzt aktualisiert:
04.08.2010
Email:
ub@tu-bs.de