Abstract in Deutsch und Englisch
Vollständige Dissertation
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Autor: Amm, Olaf
Titel: Direkte Bestimmung flächenhafter Verteilungen ionosphärischer elektrodynamischer Parameter aus
Bodenmessungen: Theorie und Anwendung in sphärischen Koordinaten
Deutsch:
In meiner Dissertation habe ich ein "Charakteristikenmethode" genanntes
Verfahren zur direkten Bestimmung flächenhafter Verteilungen der makroskopischen
ionosphärischen elektrodynamischen Parameter aus gemessenen Verteilungen
der bodenmagnetischen Störung und des ionosphärischen elektrischen
Feldes in seiner Theorie zur Anwendung in sphärischen Koordinaten
entwickelt und es anhand einiger Meßdatensätze angewandt. Im
Unterschied zur vorherigen, in kartesischen Koordinaten arbeitenden Variante
der Charakteristikenmethode erlaubt die neue, sphärische Variante
deren Anwendung auch auf Untersuchungsgebieten einer Größe,
für die die Krümmung der Erdoberfläche nicht vernachlässigbar
ist. Sie kann zudem auch auf Regionen der Skalenlänge 1000 km ×
1000 km, für die bislang die kartesische Variante verwendet wurde,
eingesetzt werden und ersetzt letztere somit vollständig. Die Anwendungen
der Charakteristiken methode anhand von Meßdaten zeigen deren Überlegenheit
insbesondere gegenüber der in der Literatur häufig angewandten
"trial and error"-Methode im Hinblick auf die Zuverlässigkeit, Detailliertheit
und damit die physikalische Interpretierbarkeit der erzielten Ergebnisse.
Im Theorieteil der Dissertation wird zunächst gezeigt, daß die
verwendete Annahme radial fließender feldparalleler Ströme polwärts
von etwa 45° Breite zu nur geringen Ungenauigkeiten hinsichtlich der
für die Durchführung der Charakteristikenmethode relevanten Größen
führt. Dann wird ein Verfahren zur Bestimmung der ionosphärischen
äquivalenten Ströme aus Messungen der bodenmagnetischen Störung
angegeben. Dieses Verfahren umfaßt die Abtrennung des durch äußere
Quellen verursachte Teiles aus der gesamten magnetischen Störung,
die Fortsetzung dieses Teiles auf Ionosphärenhöhe und die Berechnung
der Stromfunktion der äquivalenten Ströme unmittelbar unterhalb
der Ionosphäre aus dem magnetischen Potential der feldfortgesetzten
Störung. Zentrales Hilfsmittel zur Durchführung dieser Operationen
in sphärischen Koordinaten ist die sphärische harmonische Analyse
auf Teilbereichen der Erdkugel, sogenannten "sphärischen Kappen".
Weiter wird gezeigt, daß analog zum kartesischen auch im sphärischen
Fall nur der divergenzfreie Anteil des ionosphärischen Stromsystems
eine Magnetfeldstörung unterhalb der Ionosphäre verursacht, wogegen
der Magnetfeldeffekt des aus den rotationsfreien Ionosphärenströmen
und den feldpar allelen Strömen bestehenden Stromsystems dort verschwindet.
Zur Beweisführung werden divergenz- und rotationsfreie sphärische
Elementarstromsysteme eingeführt, in die sich beliebige ionosphärische
Stromsysteme unabhängig von den Verteilungen der Leitfähigkeit
und des elek trischen Feldes entwickeln lassen. Nach diesen Vorarbeiten
werden schließlich die Kerngleichun gen der Charakteristikenmethode
zunächst in allgemeinen krummlinigen, orthogonalen Koordina ten und
dann für den Spezialfall sphärischer Koordinaten entwickelt.
Primäre Ausgabegröße der Methode ist die flächenhafte
Verteilung der höhenintegrierten ionosphärischen Hall-Leitfähigkeit,
aus der unter Vorgabe einer Abschätzung des Verhältnisses von
Hall- zu Pedersen-Leitfähigkeit zusammen mit den Meßwerten des
elektrischen Feldes die tatsächlichen Ionosphärenströme
und die feldparallelen Ströme berechnet werden. Eine besondere Eigenschaft
der beschriebenen Methode ist, daß mit ihr auch explizit zeitabhängige
Situationen behandelt werden können, da sie nicht die Annahme einer
verschwindenden Rotation des elektrischen Feldes erfordert.
Da die Eingabegrößen der Charakteristikenmethode auf einem regulären
Gitter vorliegen müssen, die Meßdaten jedoch i.a. auf irregulär
verteilten Punkten gemessen werden, folgt ein kurzes Kapitel zu Methoden
der Interpolation. Neben der Bewertung bekannter Verfahren für die
vorliegende Aufgabenstellung wird ein neues Interpolationsverfahren auf
der Basis der oben erwähnten Elementarvektorsysteme entwickelt, das
die Interpolation explizit rotations- und / oder divergenzfreier Vektorfelder
erlaubt.
Um die Anwendbarkeit der sphärischen Variante der Charakteristikenmethode
und die erstell ten Programme zu ihrer Durchführung zu testen, werden
im folgenden Kapitel ein Modell der Verteilungen der makroskopischen elektrodynamischen
Parameter der Ionosphäre auf der gesamten nördlichen Polarlichtzone
erstellt, die Eingabegrößen für die Methode aus diesem
Modell be rechnet, und die mit diesen Eingaben von der Methode gelieferten
Resultate mit den Modellverteilungen verglichen. Es zeigt sich, daß
das Verfahren bis auf geringfügige numerische Fehler die Modellverteilungen
sehr genau reproduzieren kann.
Schließlich wird die Charakteristikenmethode auf drei Meßdatensätze
angewandt. Zwei von ihnen stammen aus der Periode der International Magnetospheric
Study (IMS; 1976-1979) und bestehen aus Magnetfelddaten des früheren
Scandinavian Magnetometer Array und aus vom kohärenten Radar STARE
gemessenen Daten des ionosphärischen elektrischen Feldes. Als erstes
Ereignis wird eine Harang-Diskontinuität (HD) über Nordskandinavien
untersucht. Neben der stark asymmetrischen Verteilung der Leitfähigkeiten
bezüglich der Diskontinuität kann als neues Ergebnis u.a. eine
beinahe homogene Verteilung der mit den ionosphärischen Pedersen-Strömen
verbundenen aufwärts gerichteten feldparallelen Ströme (FACs)
südlich der HD, aber ein Maximum der mit den Hall-Strömen verbundenen
FACs zwischen der elektrischen und magnetischen HD festgestellt werden.
Als zweites Ereignis wird das mit einer diskreten, in Nord-Süd-Richtung
ausgerichteten Polarlichtform, die im teilsturmverstärkten westwärtigen
Elektrojet während eines geomagnetisch sehr stark gestörten Intervalles
auftritt, untersucht. Innerhalb dieser Form treten ein Maximalwert der
höhenintegrierten Hall-Leitfähigkeit von über 200 S und
extrem starke aufwärts fließende FACs von einer Stromstärke
bis zu 25 mV/m auf. Ein drittes Ereignis verwendet schließlich Daten
des CUTLASS-Radars sowie der IMAGE- und Grönland-Magnetometerketten,
mittels derer die Reaktion der Leitfähigkeitstruktur im Nachmittagsektor
auf einen Teilsturmeinsatz im Mitternachtsektor untersucht wird.
Wesentliche Teile meiner Dissertation sind bereits in Amm (1997) und Amm
(1998) (siehe Publikationsliste und Anlagen zu diesem Antrag) veröffentlicht
worden. Eine weitere Veröffentlichung befindet sich derzeit in Vorbereitung.
Englisch:
In my dissertation i developed a method for direct determination of
spatial distributions of macroscopic ionospheric electrodynamic parameters
from measured distributions of the ground magnetic disturbance field and
the ionospheric electric field, called "method of characteristics". The
theory of the method is described, and it is applied to several data sets.
The method differs from the former methods that worked in cartesian geometry
in that the surface of the Earth is not neglected. It can also be
used for analysis regions of a scale size 1000 * 1000 km, for which formerly
the cartesian methods were used, and therefore replaces them completely.
The application of the method of cahracteristics with measured data shows
its superiority compared to previously used methods, especially to the
"trial and error" method, with respect to its reliability, the amount of
detail, and therefore the possibilities for the physical interpretation
of its results.
Studied events contain a Harang discontinuity, a discrete auroral form,
and a part of the evening cell during a substorm in the midnight sector.
The method needs as input the ground magnetic disturbance field, the ionospheric
electric field, and a rough guess of the Hall- to Pedersen conductance
ratio distribution.. The ground magnetic field data is supplied by the
Scandinavian Magnetometer Array (SMA) magnetometer array, which operated
during the period of the International Magnetospheric Study (1977-1979),
the IMAGE magnetometer network, and the Greenland magnetometer chain. Ionospheric
electric field data is provided by the STARE and the SuperDARN coherent
radars. As outputs, the height-integrated Hall and Pedersen conductance
distributions, as well as distributions of the true ionospheric and
field-aligned currents are obtained and discussed for the different events.
UB Braunschweig, letzte Änderung am Formular: 03.05.1998
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