Im Jahr des 265. Bestehens der Universitätsbibliothek Braunschweig (UB) vollendet ihr Direktor, Prof. Dr. Dietmar Brandes,
am 12. März sein 65. Lebensjahr. Seit 1987 wirkt er mit großem Engagement, Dynamik und Ideenreichtum für den Ausbau
der Bibliothek auf ihrem Weg zu einer modernen Einrichtung.
Der gebürtige Braunschweiger studierte Chemie und Biologie an der TU Braunschweig. Bereits nach acht Semestern legte er sein Diplom ab, arbeitete
als Assistent am Institut für Anorganische Chemie, wo er 1975 promoviert wurde. Ende der 1970er Jahre absolvierte Dietmar Brandes den
praktischen Teil seines Bibliotheksreferendariats an der damals von Prof. Dr. Josef Daum geleiteten UB. Nach der theoretischen Ausbildung am
damaligen Bibliothekslehrinstitut in Köln und bestandener Laufbahnprüfung kehrte er in seine Heimatstadt zurück, um seine
bibliothekarische Karriere als Fachreferent für Biologie, Chemie und das von der DFG geförderte Sondersammelgebiet Pharmazie an der
UB zu beginnen.
Gleichzeitig startete er seine Lehrtätigkeit am Botanischen Institut der TU Braunschweig. Schon während seines Chemiestudiums hatte sich
Dietmar Brandes in der Pflanzenbiologie engagiert und diese Leidenschaft auch wissenschaftlich mit einer Habilitation untermauert.
Er baute eine Arbeitsgruppe für Vegetationsökologie und experimentelle Pflanzensoziologie auf, deren Schwerpunkte auf der
Biodiversitätsforschung ausgewählter Strukturen und Regionen sowie den anthropogenen Störungen und Beeinträchtigungen
der Vegetation liegen. Mehr als 50 Examensarbeiten und sieben Dissertationen entstanden unter seiner Anleitung. Seine Doppelrolle als
Bibliothekar und als apl. Professor am Institut für Pflanzenbiologie hat er seither mit großem Verantwortungsbewusstsein,
unermüdlichem Engagement und unerschöpflichem Einfallsreichtum ausgefüllt.
In den 26 Jahren als Direktor konnte Dietmar Brandes die UB mit einem Anbau von 4.300 m
2 Hauptnutzfläche erweitern,
wodurch die räumlichen Probleme vorerst gelöst waren. Frühzeitig konnte ein Online-Katalog mit der im Hause entwickelten Software
allegro-C angeboten werden, der nach dem Zusammenschluss von Bibliotheken der sieben Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern,
Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen zum Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV), zu dessen Gründungsmitgliedern
Brandes gehörte, vom OPAC, dem Online Public Access Catalog, abgelöst wurde. Seither hat der Katalog viele Anreicherungen erfahren, u. a.
mit dem Empfehlungsdienst Bibtip, der Verlinkung zu google books und der Wikipedia sowie Inhaltsverzeichnissen der Bücher. Mit der Digitalen Bibliothek
Braunschweig steht ein Publikationsserver der TU Braunschweig zur Verfügung, der für die gesamte Forschungsregion Braunschweig von Interesse ist; z. B.
wird Literatur über das Land und die Stadt Braunschweig, die Brunsvicensien, aus UB, Stadtarchiv und Braunschweigischem Geschichtsverein hier über
ein Portal digital angeboten. Die UB hat sich immer wieder durch Ausstellungen aus eigenen Beständen auch der außeruniversitären
Öffentlichkeit präsentiert, für die sie ebenfalls geöffnet ist gemäß ihrem Auftrag, ihr den Zugang zu wissenschaftlicher
Information zu ermöglichen.
Seit 1996 ist Dietmar Brandes in der Verbundleitung des GBV engagiert; im selben Jahr wurde Dietmar Brandes dank seiner wissenschaftlichen Tätigkeit
als Ordentliches Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft, Klasse für Mathematik und Naturwissenschaften, berufen; seit Januar 2013
ist er einer ihrer Vizepräsidenten. Vier Mal wählten ihn außerdem die Bibliotheken der Bibliotheksregion Südostniedersachen (BiSON), einem
lockeren Zusammenschluss von Bibliotheken aller Träger der Region, zu ihrem Vorsitzenden. Die Wertschätzung im Lande ist daran zu erkennen, dass er noch
bis Ende 2014 zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Verbundleitung des GBV (mit über mehr als 450 Bibliotheken) und sogar bis 2018 zum Mitglied der
Auswahlkommission für Referendare berufen wurde. Sein 65. Geburtstag ist nicht das Ende seines bibliothekarischen und botanischen Wirkens. Kurze Zeit bleibt
Dietmar Brandes der Universitätsbibliothek als Direktor noch erhalten, die Lehre am Institut für Pflanzenbiologie wird er dagegen weiterführen.
Seine forschende Tätigkeit im Bereich der Vegetationsökologie wird ihn noch viele Jahre begleiten, für die ihm ungebrochene Schaffenskraft
zu wünschen ist.
Dr. Beate Nagel