Die Vieweg-Archive der Universitätsbibliothek Braunschweig
Der mit Eduard Vieweg (1797-1869) befreundete berühmte Chemiker
Justus von Liebig (1803-1873) trat mit einem "Plan an Vieweg heran. Er
bot ihm die Verlegung eines Handwörterbuchs der Chemie an, das er mit
dem gleichfalls berühmten Chemiker und Physiker Johann Christian
Poggendorff (Hamburg 1796-1877 Berlin) zusammen verfassen wollte. Vieweg
zögerte längere Zeit und sagte erst nach einem Ultimatum Liebigs
(25.12.1832) zu. ... Daß die Zusage dann zur Sternstunde für den Verlag
wurde, war noch nicht abzusehen, aber tatsächlich wurden Bücher dieser
Art zukünftig zu einer der wichtigsten Sparten des Vieweg-Verlages, und
zahlreiche Werke, die Geschichte gemacht haben, sind aus Braunschweig
gekommen - an erster Stelle solche von Liebig." (Zitat und Transkription
mit freundlicher Genehmigung des Verlages aus: Briefe an Vieweg / Justus
von Liebig. Hrsg. u. bearb. Von Margarete u. Wolfgang Schneider,
Braunschweig / Wiesbaden: Vieweg 1986, S.X u. S.11f)
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Gießen, den 25. Dezember 1832
Lieber Vieweg!
Nachdem Du mich 4 Wochen auf Deine Antwort hast warten
lassen, ist sie ebenfalls so unbestimmt wie Dein erster Brief
ausgefallen. Es liegt wohl am Tage, daß ich nicht im Stande bin,
Dir die Berechnung zu machen, ob und in welcher Art das
Unternehmen für Dich annehmbar ist oder nicht. Ich meine aber,
daß Du als Buchhändler genau die Grenze kennst, in welche die
Bedingungen eingeschlossen sein müssen, wenn es Dein Vorteil
sein soll, Dich damit zu befassen. Von allen diesem enthält nun
Dein Brief vom 21. Dezember nichts.
Ich habe Dir die Stärke der Auflage (1500) angegeben und
den Preis, zu welchem das Buch verkauft werden soll. Mit dem
Honorar und den Druckkosten, die Dir beide bekannt sind, kannst
Du Dir einen ganz scharfen Kalkül entwickeln. Format etc. alles
übrige sind zu Deiner Berechnung ganz untergeordnete Dinge. Die
Bezahlung des Honorars kann heftweise oder bogenweise angenommen
werden. Der Entwurf zu der Ankündigung ist den Grundzügen nach
in meinen beiden vorhergehenden Briefen enthalten, das Konzept
zu einem Kontrakt muß von Dir ausgefertigt werden. So bald wir
mit dem Verleger im Reinen sind, will ich in den Annalen der
Pharmazie und Physik einen Artikel drucken und eine Probe in der
Weise bekannt machen, wie wir die einzelnen Gegenstände zu
behandeln gedenken.
Du wünschst, ehe Du Dich zu diesem Unternehmen
entschließt, zuerst ein Gutachten darüber von Gay-Lussac in
Händen zu haben. Ich verdenke Dir dieses nicht, allein es würde
mich nur lächerlich machen und es heißt, meine Stellung gänzlich
verkennen, wenn ich darüber an Gay-Lussac schreiben wollte. Ich
habe Dir schon geschrieben, daß Gay-Lussac seinen Sohn ein Jahr
lang zu mir nach Gießen getan hat, um sich in meinem
Laboratorium auszubilden. Ich will aber Gay-Lussac veranlassen,
uns einige Artikel zu bearbeiten, Berzelius wird dasselbe tun.
Du hast außer Übersetzungen noch keine
naturwissenschafthchen oder chemischen Werke verlegt. Es ist
ganz natürlich, daß das Neue in diesem Unternehmen Deinen
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Entschluß unbestimmt und schwankend macht. In jedem Fall ist es
mithin besser, wenn Du diese Sache, in welcher Du weniger
Erfahrungen als in anderen Verlagswerken Dir zu erwerben
Gelegenheit gehabt hast, aufgibst, als wenn Du uns ferner so
herumziehst, so wie es seit 8 Wochen geschehen ist. Dieses Buch
hat seinen Verleger in dem Augenblick, wo ich von Dir mit
Gewißheit weiß, daß Deine übrigen Unternehmungen Dir nicht
erlauben, Dich damit zu befassen. Ich habe, indem ich mich in
dieser Sache an Dich gewendet habe, keinen anderen Zweck gehabt,
als Dir einen Vorzug zu verschaffen. Wir sind keinen Augenblick
in Beziehung auf einen Verleger in Verlegenheit. Wenn Du dies
berücksichtigst, wirst Du wohl einsehen, wie wenig ich
disponiert bin, eine Ablehnung der Sache Dir übel zu deuten. Um
so unangenehmer muß es für mich sein, nach 8 Wochen über die
Hauptpunkte mit Dir noch im Dunkeln zu sein.
Bis zum 3. Januar kann ich von Dir Antwort erhalten. Du
wirst es der Natur der Sache angemessen finden, wenn ich unsere
zeitherigen Verhandlungen von diesem Datum an für mich und Prof.
Poggendorff für unverbindlich halte.
Wie ich Dir in meinem letzten Briefe geschrieben habe,
erwarte ich jeden Tag die Druckbogen von Gay-Lussacs neuen
Verfahren in der Probierkunst und werde sie sogleich hier
übersetzen lassen.
Mit den freundschaftlichsten Grüßen
Dein Justus Liebig
Ich lege des Druckes und Formates wegen ein Blatt aus
Gmelins Handbuch bei. Die Schrift muß in jedem Fall lateinisch
und das Papier von der Qualität sein, wie der Probebogen, den Du
mir zugesandt hast. Das Blatt bitte ich mir gelegentlich wieder
zurück.
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Absender und Adresse
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[i] zuletzt aktualisiert:
23.04.2010
Email:
ub@tu-bs.de